Hüttenseminar die 2.

Juli 22, 2007

Ich mag gute Traditionen. Und ich mag gute Aikido-Seminare. Was für ein glücklicher Zufall, wenn beides zusammentrifft :-) Wie z.B. beim Hüttenseminar der Esslinger auf der Tannhütte, das am letzten Wochenende zum zweiten Mal stattfand. Ich bin ja manchmal eher Zweckpessimist und traue mich nicht, mich zu sehr auf etwas zu freuen, damit ich nicht durch unvorhergesehene Zufälle enttäuscht werde (wie beim Lehrgang in Kronau). Aber auf dieses Wochenende hatte ich mich echt gefreut und die Vorfreude wurde wirklich nicht enttäuscht.

Die zwei Tage auf der Hütte bevor der Lehrgang anfingen, waren schon mal eine nette Einstimmung für mich und ein Miniurlaub erster Güte. Ich habe gelernt, wie man Feuer macht und Holz hackt (vielleicht lerne ich nächstes Jahr auch, wie man letzteres macht ohne sich Blasen an den Händen und einen Sonnebrand zu holen) und mich mit Tips zum Prüfungprogramm zum 4. Kyu revanchiert. Danke, dass ich mitkommen durfte, Carsten!

Leider fing der Lehrgang für Jules dann ja nicht so gut an, weil er sich direkt vor dem ersten Training den Kopf aufgestoßen hatte und ins Krankenhaus musste, nur um sich einen Haufen Flüssigpflaster (ha - schon der erste Running Gag des Wochenendes) und eine Tetanussspritze einzufangen

Das Wetter war größtenteils besser als es hätte kommen können und schlechter als letztes Jahr. Zumindest konnten wir alle Trainings am Samstag durchziehen. Leider wurden die Lagerfeuer abends meist so gegen 22 h derbe durch Regen unterbrochen, aber der Aufenthaltsraum in dem ich mich immer irgendwie wie ein Mitglied der Trapp-Familie fühle, ist ja auch sehr gemütlich - vielleicht war es gerade dieser Charme, der dazu geführt hat, dass es dieses Mal an beiden Abenden Gesang und Gitarrenmusik gab statt nur an einem. Doch dazu später mehr.

Die Trainings waren für mich persönlich sehr intensiv und konzentriert. Dadurch, dass wir ja quasi nicht rollen konnten, kam es weniger zu Hauruck-Würfen und man musste langsamer und bewusster arbeiten. Ich habe Dinge weiter versucht auszubauen, die mich in letzter Zeit beschäftigen. Klar, das waren mal wieder Kontakt und Co. Dabei ist mir aufgefallen, dass sich mein Körpergefühl beim Trainieren über die letzten Monate stark verändert hat. Ich glaube (Achtung - Widerspruch in sich selbst) dass mein Kopf weniger stark arbeitet und ich sehr viel mehr in meinem Körper bin und mehr spüre. Nicht nur mich sondern auch Uke. Ich merke mittlerweile viel besser, sobald der Kontakt zwischen mir und meinem Trainingspartner abreisst (egal in welcher Rolle ich mich befinde), was mir natürlich selbst aufzeigt, wo Probleme in meiner Technik liegen, mir aber auch besser zeigt, wo Korrektur oder Tips hilfreich sein könnten.

Jules hat es für meinen Geschmack am Wochenende wirklich gut hinbekommen, Schwert und Tai waza zu kombinieren und das Verbindende herauszuarbeiten. Dabei ist mir auch mal wieder einiges klar geworden.

Mir hat auch die Shiatsu-Session tierisch gut gefallen, obwohl es danach schon etwas Selbstmotivation gekostet hat, wieder zu trainieren (wenn ich mich nicht schwer täusche, fanden sich hinterher auf der Matte mehrere Flecken die verdächtig nach Wohlfühl-Sabber aussahen :-) ) .

Nach ausreichendem Training gab es dann abends lecker Essen von Ben gekocht oder vom Schwenkgrill (”noch jemand Schafskäse?!”) und hinterher Whiskyprobe und 1a Gitarrenmusik von Olli, Volker und Ben. Dank Volkers Geistesgegenwart bezüglich seines Liederbuches kamen wir am zweiten Abend tatsächlich mal über die ersten Strophen hinaus (böse Zungen behaupten, es waren gar nur Fragmente, die uns einfielen - tststs). Ich fordere ein Tannhütten-Gesangbuch für 2008. Dann gibt es auch keine Entschuldigungen mehr.

Ich freue mich jetzt auf die Fotos vom Wochenende, obwohl sie natürlich nicht widerspiegeln können, wie viel gelacht wurde und wie nett die Stimmung zwischen den meist “alten Tannenhütten-Hasen” war. Danke auf jeden Fall nochmal an Carsten für die Organisation und an Jules für die Trainings. Auch wenn mein Gedächtnis durch Whisky und Wein leicht getrübt gewesen sein mag, werde ich das Wochenende in prima Erinnerung behalten.

Sonja

Lehrgang mit Handicap

Juli 1, 2007

Seit Monaten hatte ich mich nun auf den Lehrgang am vergangenen Wochenende in Kronau mit Jean-Luc Subileau (6. Dan FFAAA) gefreut, fuhr mit Robby und Peter und viel guter Laune und Gummibärchen im Gepäck Richtung Bruchsal und dann das: mein Rücken spielte mir wieder einen Streich, so dass ich nur die ersten beiden Trainings von insgesamt 6 mitmachen konnte. &%§$*’!& !!! Trotzdem wird mir das Wochenende in wirklich guter Erinnerung bleiben und ich habe viel mitgenommen - beim Zuschauen lernt man ja auch sehr viel.

Ich war zum ersten Mal im “Haus der Balance” in Kronau und muss sagen, dass man es dort bei einem Lehrgang (und nicht nur dann) wirklich sehr gut aushalten kann :-) Es ist einfach eine runde Sache, wenn die Umkleiden hell, sauber und freundlich sind, die Matten ständig liegen und noch dazu Küche und Aufenthaltsraum für die Dojo-Übernachter vorhanden sind. Gestern konnte ich dann sogar für meinen Rücken die Sauna nutzen - Luxus!

Subileau war so wie ich ihn vom letzten Lehrgang in Erinnerung hatte: angenehm, freundlich, humorvoll ohne den Entertainer raushängen zu lassen. Meiner Ansicht nach hat er einen schönen Mittelweg gefunden zwischen dem “Halbgott in schwarz” und dem “Kumpel von nebenan”. Er ist eine Respektperson ohne unnahbar zu sein. Das gefällt mir bei ihm sehr gut.

In den Trainingseinheiten wurde vieles geübt, was ich von ihm auch schon bei den letzten Lehrgängen gesehen habe. Da ich zwischenzeitlich schätzungsweise 1% von dem umsetzen konnte, was ich damals hätte lernen wollen, war das auch gut so :-) Die persönlichen Tips, die ich in den beiden Einheiten von ihm bekam, waren demnach auch ähnlich zum letzten Mal: aufrecht bleiben (himmelarschundzwirn, ich dachte wirklich, ich hätte das etwas besser im Griff…), zweite Hand nutzen (wie jetzt - man hat zwei Hände????!), etc. Gerne hätte ich mir noch mehr solcher Tips abgeholt, aber dann kam die Sache mit dem Rücken, und so musste ich mich mit dem “begnügen” was Subileau in der Mitte zeigte und was ich am Rand sitzend bei den Einzelkorrekturen mitbekam.

Es gibt demnach ein paar Dinge, die ich jetzt dringend ausprobieren will und ich hoffe, dass ich morgen in alter Frische wieder auf die Matte kann. Dazu gehören ein paar Tips zu gyaku hanmi (z.B. Ellbogenkontrolle zur Kontrolle der Mittellinie) und das Ausrichten der eigenen Position/Mitte bei Irimi nage. Letzteres gehört scheint mir zu den Dingen, auf die Subileau oft hinweist - und es ist ein Aspekt, an dem ich in letzter Zeit oft rumgedacht und -gedoktert habe. Ich glaube/hoffe beim Zusehen etwas darüber verstanden zu haben. Subileau hat an diesem Wochenende schöne Bilder und Eselsbrücken benutzt - vielleicht lag es daran, dass da was “klick” gemacht hat.

Ich persönlich finde, dass ich oft eher Probleme mit irimi habe und mir der Mut und das Zutrauen fehlen, bei irimi wirklich irimi zu gehen. Stattdessen habe ich Angst, meinem Partner weh zu tun, zögere und vielleicht habe ich sogar ein bisschen Angst vor meiner eigenen Courage. Da passt Subileau wirklich gut, denn wenn er eins kann, dann ist es irimi. Marchez, marchez, eben. Davon würde ich mir gerne ein Scheibchen abschneiden.

Abgesehen von den technischen Leckerbissen war der Lehrgang auch abseits der Matte eine runde Sache. Ich durfte neue Aikido-Bekanntschaften schließen (Grüße nach Heidelberg, Ulm, Freiburg und in den Schwarzwald) und mit den “üblichen Verdächtigen” aus der Stuttgarter Region drei schöne Tage verbringen. Im September wird Subileau dann wieder in Heidelberg sein - ich fange schon mal ganz langsam an, mich drauf zu freuen.

Sonja

Von Samstag bis Montag fand wieder der jährliche Pfingstlehrgang des DAB in Heidenheim statt. Ich wusste nicht genau, was ich erwarten sollte, denn die Lehrererin Patricia Guerri, 6. Dan Takemusu, kannte ich nicht (bzw. nur ihre DVD) und Takemusu Aikido gehört eigentlich nicht zu den Stilarten, die mich vorrangig interessieren. Was ich dann sah, hat mich wirklich positiv überrascht!

Wir haben überwiegend mit Waffen gearbietet, an den ersten beiden Tagen ausschließlich mit Bokken und Jo. Es gab viele Suburi (sowohl Jo Suburi als auch Ken Suburi - ich glaube mit dem Stab haben wir innerhalb von 30 Minuten knapp 18 Suburi hingelegt :-) ), Kumi Jo, Kumi Tachi und Ken Tai Jo. Vor allem letzteres hat mir extrem viel Spaß gemacht. Bei Martin arbeiten wir ja recht häufig mit dem Jo und so fiel es mir zum Glück weniger schwer als erwartet, bei den schnellen Abfolgen, die Guerri Sensei zeigte, mitzuhalten und die von ihr gezeigten Kumi Jo nachzumachen. Trotzdem gab es auch hier Stellungen und Angriffe, die ich bisher so nicht geübt hatte und aufgrund des Tempos, das sie vorlegte, musste ich mich wirklich sehr konzentrieren. Das schuf wiederum eine tolle, intensive Trainingsatmosphäre.
Mit dem Schwert habe ich bisher allerdings weniger Erfahrung und habe dieses Wochenende viel darüber gelernt (vor allem über das Kontrollieren der Mitte des Gegeners). Meine Präzision mit dem Schwert lässt zu Wünschen übrig aber ich bin durch das letzte Wochenende angefixt, mehr mit dem Bokken zu üben.

Was mir wirklich gut gefiel waren die Ki-ai :-) Ich verstehe jetzt glaube ich besser, warum bei Takemusu so viel damit gearbeitet wird und es scheint bei dieser Art zu Trainieren absolut passend: Das schrittweise Erarbeiten der Kihon Techniken wird durch die Ki-ai bei den einzelnen Phasen/Schritten der Technik unterstrichen und ich denke auch, dass die Ki-ai daran erinnern bzw. es leichter machen, an den gegebenen Stellen in der Technik aus- anstatt einzuatmen. Und es macht einfach Spaß! Gerade bei der Arbeit mir dem Schwert verstärkt es zudem die Konzentration und den martialischen Aspekt/Hintergrund des Trainings. Man sollte ja immer so fokussiert trainieren, als ob man eine echte, tödliche Waffe in der Hand hätte (nicht nur bei Takemusu) und daran wird man immer wieder erinnert, wenn man ein Ki-ai entgegengeschleudert bekommt oder selbst von sich gibt. Ich könnte mich daran gewöhnen! :-) Wenn man so ein Ki-ai hat wie Guerri dann braucht man keine SV mehr, wenn man als Frau im Dunkeln angegriffen wird ;-)

Last but not least war Patricia Guerri auf der Matte sehr sympatisch, weiblicher als sie mir auf derDVD erschien und sie hatte ein wirklich nettes Zwinkern im Auge, das ihren angenehmen Humor unterstreicht.

Ich muss zugeben, dass ich etwas besorgt war, als ich hörte, dass dieses Jahr eine Frau als Lehrerein für den Pfingslehrgang eingeladen wurde. Es hörte sich für mich ein bißchen nach “Frauenquote” an und davon bin ich generell keine Freundin. Manchmal werden Frauen eingeladen/gebeten etwas zu tun, nur damit man sagen kann, dass man die Frauen “fördert” und nicht, weil sie die entprechende Qualifikation haben. Das ist für uns Frauen aber eher hinderlich als fördernd. Es hat mich wirklich gefreut zu sehen, dass diese Frau wirklich viel auf dem Kasten hat (und noch dazu hatte sie einen guten weiblichen Uke), dass sie es absolut verdient hatte da vorne zu stehen und dass sie sowohl bei den männlichen als auch bei den weiblichen Teilnehmern anscheinend sehr gut ankam. Toll!

Abgesehen von den technischen Erkenntnissen nehme ich mit nach Hause…
…dass mir Takemusu besser gefällt als ich dachte.
…dass andere Verbände andere Sachen machen als wir aber irgendwie dann doch auch wieder nicht (eine Erkenntnis die mich nicht zum ersten Mal überkommt).
…dass mir mein mageres Schulfranzösisch zu Hilfe kommt wenn ich es brauche (hätte mir das mal einer in der 9. Klasse gesagt…).

Nächstes Jahr kommt dann Emmerson Sensei als Lehrer zum Pfingstlehrgang - die Stile könnten fast nicht gegensätzlicher sein, denn er legt wenn ich es richtig verstanden habe sehr viel Wert auf Fluss und Dynamik. Eine interessante Abfolge also. Ich freue mich schon jetzt.

Sonja

Zuerst die schlechte Nachricht: Da ich weiß, dass ihr unser Blog häufiger lest als die Website, erinnere ich an dieser Stelle nochmal daran, dass am kommenden Freitag und auch am Pfingstmontag kein Training stattfindet :-( Stattdessen wird über Pfingsten kräftig frittiert - Danke nochmal an alle, die sich für eine Schicht in der Pommesbude eingeteilt haben! Das nächste Training in Plattenhardt ist dann am Freitag, den 1. Juni 2007. Haltet ihr so lange aus ohne Aikido? :-) Nicht vergessen: Jules gibt Donnerstags auch Training in Esslingen!

Und hier die gute Nachricht: Jean-Luc Subileau (6. Dan FFAAA) gibt Ende Juni einen Lehrgang in Bruchsal, zu dem alle ab 6. Kyu (also ab weiß!) kommen dürfen! Heißer Tip, schnell anmelden, ab geht´s zum Dojo-Ausflug!!! Infos dazu gibt es hier.

Sonja

Alle Jahre wieder…

Mai 21, 2007

…wäre schön - denn die Lehrgänge mit Martin in Kniebis sind immer wieder ein echtes Erlebnis! Vielleicht dauert es ja dieses Mal nicht wieder drei Jahre bis wir wieder in diesen Genuss kommen werden :-)

Was wird mir in Erinnerung bleiben von diesen vier Tagen? Mal sehen….

Martin war recht spielerisch drauf an diesem Wochenende und wir haben wenige “klassische” Prüfungstechniken, dafür viele interessante, neue Eingänge für bekannte Techniken gemacht. Ich hatte den Eindruck, dass er auf der Matte so viel Spaß hatte wie wir. Ich persönlich stehe ja besonders auf Kokyo nage, womit Martin ja zum Glück auch nicht geizt :-)

Richtig “klick” gemacht hat es für mich bei der Geschichte mit dem “Ausrichten” des Schwertes auf den Partner bei Kumi tachi. Im Prinzip nix Neues aber trotzdem hat es mir vieles für die Techniken ohne Waffen (und auch für Ukemi) verdeutlicht. Ich habe dieses Wochenende viel auf meinen Stand geachtet und versucht, daran zu arbeiten. Dabei ist mir aufgefallen, dass ich wohl noch ziemlich lange daran arbeiten werde :-)

Auch bei der “weichen harten” Fallschule ist mir ein Kronleuchter aufgegangen. Man darf den Winkel zwischen Bauch und Beinen nicht aufgeben und muss auf jeden Fall den unbeugsamen Arm beibehalten. Ein Mal hatte ich einen Moment, wo ich ein paar Mal weich wie Watte gefallen bin - das war unschlagbar super :-) Leider blieb es vorläufig bei diesem einen Moment… Trotzdem merke ich, dass ich mittlerweile wenigstens die Beine nicht mehr ausstrecke sondern anziehe, wodurch das Fallen etwas leiser und weicher geworden ist. Das ist schon mal ein kleiner Fortschritt.

Mit Jules habe ich am Wurf für Irimi nage und Tenchi nage gearbeitet, bei dem Uke hart geworfen wird. Bisher hatte ich mir das bei Irimi nage nicht richtig zugetraut. Jetzt hat es schon ein paar Mal geklappt und ich bin heiß drauf, da weiter zu machen.

Es macht mich echt fertig, wie präzise Martin ist und wie er immer genau zur richtigen Zeit am richtigen Platz mit dem richtigen Abstand zu stehen scheint. Auch das wusste ich prinzipiell schon länger, aber langsam fange ich glaube ich an wirklich zu verstehen was ich da vor mir habe wenn Martin Techniken zeigt.

In Erinnerung bleiben werden mir selbstverständlich auch die netten Abende mit Whisky (der mir wohl den Ruf ruiniert hat ;-) ), Aikido-Diskussionen und sehr viel Gelächter. Ohne diesen Aspekt der Lehrgänge würde mir wirklich was fehlen und ich bin am Sonntag mit dem Gefühl heimgefahren, alte Freundschaften und Bekanntschaften etwas vertieft und neue geschlossen zu haben.

Nicht zuletzt muss ich noch erwähnen, dass Ben, Susanne, (Tüten-)Peter und Marc die restlichen Plattenhardter mehr als würdig vertreten haben. Gut gemacht!!! :-) Euch scheint das Wochenende genau so gut gefallen zu haben wie mir und ich hatte viel Spaß mit euch zusammen!

So, und wann ist der nächste Lehrgang???

Sonja

Marchez, marchez!

Februar 12, 2007

Letzten Samstag hatte ich zum zweiten Mal das Vergnügen, bei Jean-Luc Subileau, 6. Dan Aikido FFAAA, trainieren zu dürfen. Er hatte ja letztes Jahr beim Pfingstlehrgang des DAB unterrichtet und schon da hatte ich unheimlich viel Spaß.

Auf dem Hinweg dachte ich noch: “Und wenn wir Irimi nage machen, dann setze ich mich eben daneben und mache bei dieser Technik nicht mit.” Meine Nase war nämlich noch nicht wieder zur alten Höchstform aufgelaufen und der Gedanke, meinen Riechkolben so nah an eine mir entgegen kommende Schulter zu bringen schien wenig verlockend. Streng nach Murphy´s Law hat Subileau mich dann natürlich genau für den Irimi nage nach vorne geholt. Da kann man ja schlecht sagen “Och nö, lieber nicht, aber danke.” :-) Zum Glück unterrichtet er ja nicht die Form des Irimi nage, der Uke´s Kopf immer und die ganze Zeit absolut an der Schulter fixiert, so dass das dann doch gar kein Problem war.

Ich war - wie letztes Mal auch - sehr von Subileau beeindruckt. Und zwar technisch als auch was seine Person angeht:

Ein Satz, den ich vom Pfingstlehrgang schon wieder vergessen hatte, und den er auch dieses Mal wieder sagte, war “Marchez, marchez!” Das will ich mir hinter die Ohren schreiben.
Was ich technisch außerdem mitnehme, ist, wie klar er mit der eigenen Mittellinie arbeitet (im Prinzip ist das zwar nichts neues, aber bei Subileau finde ich das besonders deutlich und klar). Die Bewegungen kommen bei ihm immer von dort - besonders klar wurde mir das beim Irimi nage. Das ergänzt sich sehr gut mit dem, was Martin unterrichtet: das Kontrollieren der Mittellinie von Uke. Sowohl bei Uke als auch bei Nage geht es eben immer um diese Linie.
Manchmal hat Subileau die Bewegungesabläufe einer Technik ohne Partner gezeigt und wenn Uke fehlt, materialisiert sich plötzlich ein unsichtbares Schwert in Subileaus Händen. Alle Techniken gehen auf das Schwert zurück - auch das ist nichts neues, aber irgendwie kommt das bei ihm eben ganz stark raus und ist in seinen Bewegungen sehr präsent. Das gefällt mir sehr gut.

Abgesehen vom Technischen hat Subileau noch dazu eine unglaublich angenehme, freundliche Art. Und ich habe ihn bei diesem Training zum ersten Mal über Philosophie sprechen gehört. Zum Abschluss des Trainings sprach er davon, was einen Angriff provoziert oder auslöst. Nicht etwa im technischen Sinn, sondern eben im menschlich-philosophischen. Er sagte (wenn ich das richtig verstanden habe), dass jemand meist dann angreife, wenn er einen Mangel verspürt, den er ausgleichen will oder/und wenn er Angst fühlt. Wenn jemand dagegen völlig im eigenen Ki ist, eben keinen Mangel und keine Angst verspürt, dann hat er auch keinen Grund jemand anders anzugreifen. Man erlebt in unseren Gefilden ja selten, dass mal über Philosophie gesprochen wird und ich sauge das dann immer auf wie ein Schwamm.

Was er da sagte war total “up my street” und es ist etwas, was ich auch in meinem Beruf als Homöopathin jeden Tag beobachte. Alle negativen Gefühle - Neid, Aggression, Arroganz, etc - haben am Ende doch immer den gleichen Ursprung: Mangel und Angst. In meinem eigenen Verständnis geht es sogar noch einen Schritt weiter. Ich kann nur leer sein, wenn ich nicht ständig damit beschäftigt bin, mich anfüllen zu wollen (=Gefühl von Mangel?). Man spürt diese Lehre manchmal bei fortgeschrittenen Meistern z.B. rein technisch, aber ich habe eine solche Leere auch schon im persönlichen Bereich z.B. bei Rajan Sankaran - einem Homöopathen nach dessen Methode ich arbeite - erlebt. Eigene Leere bedeutet für mich ebenfalls, dass ich versuche, mein Ego loszulassen und stattdessen meine Einheit mit der universellen Energie zu spüren. Sobald ich mich von dieser Energie trenne, kommt mein Ego in´s Spiel und ich fühle Angst und eben auch Mangel. Aikido kann mir helfen, an dieserAngst und dem Mangel zu arbeiten. Genau das ist meine Idee von Aikido und so wie ich O-Sensei verstehe (wenn ich ihn denn verstehe) hat er unter anderem ungefähr sowas sagen wollen. Das ist jetzt meine Interpretation, aber vielleicht bekomme ich ja mal die Gelegenheit, mehr darüber von Subileau zu erfahren. Das wäre sehr schön.

Sonja

Es war ein schöner und entspannter Lehrgang mit vielen netten Leuten auf der Matte.

Lustig, was passiert, sobald ich versuche total lockeres, weiches Aikido zu machen - mein Muskelkater spricht hierfür Bände.
Auch das mit dem aufmerksamen Angreifen hat noch so seine Tücken, ich schwanke zwischen stoisch den Kopf nach unten halten (alles wird gut solange ich nage nicht anschaue :-) ) und wildem umhertänzeln (jetzt wieder bei Rocky XX zu sehen).

Tatsache ist, ich habe mal wieder an meinem und dem Körper der anderen gespürt, in welche Richtung es gehen kann.

Aiki ahoi,
Susanne

Die dritte Prüfung!

Januar 15, 2007

Herzlichen Glückwunsch zum 5. Kyu, Peter!!!

Peter folgte Leoni und Ben auf dem Fuß und setzte die Reihe der Prüflinge in Plattenhardt fort. Besonders nach unserem Ukemi-Lehrgang war es toll zu sehen, wie gut Peter´s Fallschule war: nicht nur vorwärts und rückwärts gerollt, sondern auch noch hart gefallen. Super, Peter! Du hast den gelben Gurt wirklich verdient und er wird dir gut stehen :-)

Für mich als Prüferin ist es nicht nur toll, unsere Schüler nach und nach zur nächsten Stufe zu bringen, es ist auch sehr interessant zu sehen, wo die Stärken und Schwächen liegen, denn sie repräsentieren direkt, was wir euch beibringen und auch das, wo wir noch mehr üben oder besser unterrichten müssen. Eine Prüfung ist immer ein gutes Feedback für das bisher gegebene Training und ein wertvoller Fingerzeig für das zukünftige Training.

So, genug philosophiert, jetzt wird (am Freitag) erst mal auf Peter angestoßen und gefeiert! :-)
Sonja

Start ins neue Jahr

Januar 14, 2007

Das neue Jahr hat prima angefangen: gestern und heute hielten wir unseren ersten Ukemi-Lehrgang in Plattenhardt ab. Anscheinend waren viele wegen der Weihnachtsferien so wie wir etwas Trainings-ausgehungert, denn unsere Matte war ziemlich voll.

Zwei Tage lang ging es um Rollen, Fallen, Kontakt, weich-Sein, Schwerkraft und andere Aspekte des Ukemi, die ausgiebig geübt wurden. Durch Rückenschmerzen gehandicapped konnte ich selbst leider nicht so mitmachen, wie ich mir das vorgestellt hatte. Vor allem am Samstag hat mich das sehr frustriert. Zum Glück ging es am Sonntag dann schon etwas besser und meine Lebensgeister kamen zurück.

Mal wieder habe ich gemerkt, wie viel ich durch das Unterrichten lerne. Und wo ich noch zu lernen habe. Ich empfinde es deshalb als großes Glück, dass ich die Chance habe, Training geben zu dürfen. Und noch viel mehr Spaß macht es, wenn es Leute gibt, die so aufmerksam zuhören und im Anschluss so bemüht sind, das, was wir vorzeigen und erklären, ausprobieren zu wollen.

Trotz Spaß an der Sache und viel Lachen war die Konzentration durchweg unglaublich gut - nicht selbstverständlich bei 3 Stunden Training am Samstag mit ziemlich vielen neuen Informationen und einer guten Portion Rollen und Fallen. Ich habe die Gruppe als sehr freundlich und wohlwollend miteinander empfunden. Alle haben miteinander trainiert, und nicht gegeneinander. Allein das spiegelt für mich gutes Training und in gewisser Weise auch gutes Ukemi wieder - sich gegenseitig zu erlauben, zu üben.

Für mich persönlich war der Aspekt des Kontaks bei diesem Lehrgang sehr wichtig und ich habe viel darüber gelernt. Nicht angreifen und dann einfach aufgeben oder weglaufen, sondern beim Partner bleiben, spüren, wo er mich hinführt und was er mit mir macht, und dann gegebenenfalls reagieren. Für mich ist das auch mal wieder eine Analogie zum richtigen Leben. Auch da führt manchmal kein Weg daran vorbei, einen Konflikt austragen zu müssen. Draufschlagen und wegrennen kann dann jeder. Aber Kritik zu üben und dann dem Gegenüber die Chance zu geben, mit dieser Kritik und mit mir zu arbeiten scheint mir da wesentlich sinnvoller und führt im Endeffekt zu einer Lösung, die für beide akzeptabel sein kann. Das ist für mich ein wichtiger Aspekt des Aiki.

Ein schönes Wochenende… Vielen Dank an alle Helfer!

Zuerst möchte auch ich Ben nochmal auf diesem Weg zum neuen Gurt gratulieren. Ich habe dir ja schon gesagt, wie beeindruckt ich von deinem Ukemi für Martin auf dem Lehrgang war! Und jetzt bist du nicht mehr grün hinter den Ohren, sondern um den Bauch ;-)
Für mich war das letzte Wochenende mal wieder eine wirklich tolle Erfahrung. Ich fand den Einstieg am Samstag ehrlich gesagt auch etwas schwierig. Zum einen weil ich wie Susanne gefremdelt habe, und zum anderen weil es eine Weile gedauert hat, bis mich der Aikido-Sog gepackt hat und ich wirklich konzentriert trainieren konnte. Dann war es super, und ich bin froh, dass ich dabei sein konnte!
Gestern hatte ich dann allerdings ziemlichen Muskelkater und echte Bedenken, was das Training am Abend anging. Und ausgerechnet an diesem Abend haben wir mit der harten Fallschule angefangen. Und - wer hätte es gedacht? - es ging sogar! Ich finde es super, dass wir damit nicht noch ewig warten müssen, sondern ihr uns schon so früh an die Freuden des Ukemi heranführt, Sonja und Jules! Ich bin sicher, wenn man das richtig beherrscht, bekommt Aikido nochmal eine ganz neue “Spaßfaktor-Dimension” ;-)
Überhaupt wird mir immer klarer, wie wichtig Ukemi ist. Am Anfang ist man ja nur auf das “Nage-Sein” konzentriert, aber ein guter Nage braucht für ein gutes Training natürlich immer auch einen guten Uke. Ich freue mich schon auf den Ukemi-Lehrgang im Januar!
Mein Körper ist jetzt gerade ganz froh über die Pause bis Freitag, aber nach einem heißen Bad freue ich mich schon wieder auf´s nächste Training! Und natürlich auf das Feiern danach!

Leoni