Von Samstag bis Montag fand wieder der jährliche Pfingstlehrgang des DAB in Heidenheim statt. Ich wusste nicht genau, was ich erwarten sollte, denn die Lehrererin Patricia Guerri, 6. Dan Takemusu, kannte ich nicht (bzw. nur ihre DVD) und Takemusu Aikido gehört eigentlich nicht zu den Stilarten, die mich vorrangig interessieren. Was ich dann sah, hat mich wirklich positiv überrascht!

Wir haben überwiegend mit Waffen gearbietet, an den ersten beiden Tagen ausschließlich mit Bokken und Jo. Es gab viele Suburi (sowohl Jo Suburi als auch Ken Suburi - ich glaube mit dem Stab haben wir innerhalb von 30 Minuten knapp 18 Suburi hingelegt :-) ), Kumi Jo, Kumi Tachi und Ken Tai Jo. Vor allem letzteres hat mir extrem viel Spaß gemacht. Bei Martin arbeiten wir ja recht häufig mit dem Jo und so fiel es mir zum Glück weniger schwer als erwartet, bei den schnellen Abfolgen, die Guerri Sensei zeigte, mitzuhalten und die von ihr gezeigten Kumi Jo nachzumachen. Trotzdem gab es auch hier Stellungen und Angriffe, die ich bisher so nicht geübt hatte und aufgrund des Tempos, das sie vorlegte, musste ich mich wirklich sehr konzentrieren. Das schuf wiederum eine tolle, intensive Trainingsatmosphäre.
Mit dem Schwert habe ich bisher allerdings weniger Erfahrung und habe dieses Wochenende viel darüber gelernt (vor allem über das Kontrollieren der Mitte des Gegeners). Meine Präzision mit dem Schwert lässt zu Wünschen übrig aber ich bin durch das letzte Wochenende angefixt, mehr mit dem Bokken zu üben.

Was mir wirklich gut gefiel waren die Ki-ai :-) Ich verstehe jetzt glaube ich besser, warum bei Takemusu so viel damit gearbeitet wird und es scheint bei dieser Art zu Trainieren absolut passend: Das schrittweise Erarbeiten der Kihon Techniken wird durch die Ki-ai bei den einzelnen Phasen/Schritten der Technik unterstrichen und ich denke auch, dass die Ki-ai daran erinnern bzw. es leichter machen, an den gegebenen Stellen in der Technik aus- anstatt einzuatmen. Und es macht einfach Spaß! Gerade bei der Arbeit mir dem Schwert verstärkt es zudem die Konzentration und den martialischen Aspekt/Hintergrund des Trainings. Man sollte ja immer so fokussiert trainieren, als ob man eine echte, tödliche Waffe in der Hand hätte (nicht nur bei Takemusu) und daran wird man immer wieder erinnert, wenn man ein Ki-ai entgegengeschleudert bekommt oder selbst von sich gibt. Ich könnte mich daran gewöhnen! :-) Wenn man so ein Ki-ai hat wie Guerri dann braucht man keine SV mehr, wenn man als Frau im Dunkeln angegriffen wird ;-)

Last but not least war Patricia Guerri auf der Matte sehr sympatisch, weiblicher als sie mir auf derDVD erschien und sie hatte ein wirklich nettes Zwinkern im Auge, das ihren angenehmen Humor unterstreicht.

Ich muss zugeben, dass ich etwas besorgt war, als ich hörte, dass dieses Jahr eine Frau als Lehrerein für den Pfingslehrgang eingeladen wurde. Es hörte sich für mich ein bißchen nach “Frauenquote” an und davon bin ich generell keine Freundin. Manchmal werden Frauen eingeladen/gebeten etwas zu tun, nur damit man sagen kann, dass man die Frauen “fördert” und nicht, weil sie die entprechende Qualifikation haben. Das ist für uns Frauen aber eher hinderlich als fördernd. Es hat mich wirklich gefreut zu sehen, dass diese Frau wirklich viel auf dem Kasten hat (und noch dazu hatte sie einen guten weiblichen Uke), dass sie es absolut verdient hatte da vorne zu stehen und dass sie sowohl bei den männlichen als auch bei den weiblichen Teilnehmern anscheinend sehr gut ankam. Toll!

Abgesehen von den technischen Erkenntnissen nehme ich mit nach Hause…
…dass mir Takemusu besser gefällt als ich dachte.
…dass andere Verbände andere Sachen machen als wir aber irgendwie dann doch auch wieder nicht (eine Erkenntnis die mich nicht zum ersten Mal überkommt).
…dass mir mein mageres Schulfranzösisch zu Hilfe kommt wenn ich es brauche (hätte mir das mal einer in der 9. Klasse gesagt…).

Nächstes Jahr kommt dann Emmerson Sensei als Lehrer zum Pfingstlehrgang - die Stile könnten fast nicht gegensätzlicher sein, denn er legt wenn ich es richtig verstanden habe sehr viel Wert auf Fluss und Dynamik. Eine interessante Abfolge also. Ich freue mich schon jetzt.

Sonja

Alle Jahre wieder…

Mai 21, 2007

…wäre schön - denn die Lehrgänge mit Martin in Kniebis sind immer wieder ein echtes Erlebnis! Vielleicht dauert es ja dieses Mal nicht wieder drei Jahre bis wir wieder in diesen Genuss kommen werden :-)

Was wird mir in Erinnerung bleiben von diesen vier Tagen? Mal sehen….

Martin war recht spielerisch drauf an diesem Wochenende und wir haben wenige “klassische” Prüfungstechniken, dafür viele interessante, neue Eingänge für bekannte Techniken gemacht. Ich hatte den Eindruck, dass er auf der Matte so viel Spaß hatte wie wir. Ich persönlich stehe ja besonders auf Kokyo nage, womit Martin ja zum Glück auch nicht geizt :-)

Richtig “klick” gemacht hat es für mich bei der Geschichte mit dem “Ausrichten” des Schwertes auf den Partner bei Kumi tachi. Im Prinzip nix Neues aber trotzdem hat es mir vieles für die Techniken ohne Waffen (und auch für Ukemi) verdeutlicht. Ich habe dieses Wochenende viel auf meinen Stand geachtet und versucht, daran zu arbeiten. Dabei ist mir aufgefallen, dass ich wohl noch ziemlich lange daran arbeiten werde :-)

Auch bei der “weichen harten” Fallschule ist mir ein Kronleuchter aufgegangen. Man darf den Winkel zwischen Bauch und Beinen nicht aufgeben und muss auf jeden Fall den unbeugsamen Arm beibehalten. Ein Mal hatte ich einen Moment, wo ich ein paar Mal weich wie Watte gefallen bin - das war unschlagbar super :-) Leider blieb es vorläufig bei diesem einen Moment… Trotzdem merke ich, dass ich mittlerweile wenigstens die Beine nicht mehr ausstrecke sondern anziehe, wodurch das Fallen etwas leiser und weicher geworden ist. Das ist schon mal ein kleiner Fortschritt.

Mit Jules habe ich am Wurf für Irimi nage und Tenchi nage gearbeitet, bei dem Uke hart geworfen wird. Bisher hatte ich mir das bei Irimi nage nicht richtig zugetraut. Jetzt hat es schon ein paar Mal geklappt und ich bin heiß drauf, da weiter zu machen.

Es macht mich echt fertig, wie präzise Martin ist und wie er immer genau zur richtigen Zeit am richtigen Platz mit dem richtigen Abstand zu stehen scheint. Auch das wusste ich prinzipiell schon länger, aber langsam fange ich glaube ich an wirklich zu verstehen was ich da vor mir habe wenn Martin Techniken zeigt.

In Erinnerung bleiben werden mir selbstverständlich auch die netten Abende mit Whisky (der mir wohl den Ruf ruiniert hat ;-) ), Aikido-Diskussionen und sehr viel Gelächter. Ohne diesen Aspekt der Lehrgänge würde mir wirklich was fehlen und ich bin am Sonntag mit dem Gefühl heimgefahren, alte Freundschaften und Bekanntschaften etwas vertieft und neue geschlossen zu haben.

Nicht zuletzt muss ich noch erwähnen, dass Ben, Susanne, (Tüten-)Peter und Marc die restlichen Plattenhardter mehr als würdig vertreten haben. Gut gemacht!!! :-) Euch scheint das Wochenende genau so gut gefallen zu haben wie mir und ich hatte viel Spaß mit euch zusammen!

So, und wann ist der nächste Lehrgang???

Sonja

Marchez, marchez!

Februar 12, 2007

Letzten Samstag hatte ich zum zweiten Mal das Vergnügen, bei Jean-Luc Subileau, 6. Dan Aikido FFAAA, trainieren zu dürfen. Er hatte ja letztes Jahr beim Pfingstlehrgang des DAB unterrichtet und schon da hatte ich unheimlich viel Spaß.

Auf dem Hinweg dachte ich noch: “Und wenn wir Irimi nage machen, dann setze ich mich eben daneben und mache bei dieser Technik nicht mit.” Meine Nase war nämlich noch nicht wieder zur alten Höchstform aufgelaufen und der Gedanke, meinen Riechkolben so nah an eine mir entgegen kommende Schulter zu bringen schien wenig verlockend. Streng nach Murphy´s Law hat Subileau mich dann natürlich genau für den Irimi nage nach vorne geholt. Da kann man ja schlecht sagen “Och nö, lieber nicht, aber danke.” :-) Zum Glück unterrichtet er ja nicht die Form des Irimi nage, der Uke´s Kopf immer und die ganze Zeit absolut an der Schulter fixiert, so dass das dann doch gar kein Problem war.

Ich war - wie letztes Mal auch - sehr von Subileau beeindruckt. Und zwar technisch als auch was seine Person angeht:

Ein Satz, den ich vom Pfingstlehrgang schon wieder vergessen hatte, und den er auch dieses Mal wieder sagte, war “Marchez, marchez!” Das will ich mir hinter die Ohren schreiben.
Was ich technisch außerdem mitnehme, ist, wie klar er mit der eigenen Mittellinie arbeitet (im Prinzip ist das zwar nichts neues, aber bei Subileau finde ich das besonders deutlich und klar). Die Bewegungen kommen bei ihm immer von dort - besonders klar wurde mir das beim Irimi nage. Das ergänzt sich sehr gut mit dem, was Martin unterrichtet: das Kontrollieren der Mittellinie von Uke. Sowohl bei Uke als auch bei Nage geht es eben immer um diese Linie.
Manchmal hat Subileau die Bewegungesabläufe einer Technik ohne Partner gezeigt und wenn Uke fehlt, materialisiert sich plötzlich ein unsichtbares Schwert in Subileaus Händen. Alle Techniken gehen auf das Schwert zurück - auch das ist nichts neues, aber irgendwie kommt das bei ihm eben ganz stark raus und ist in seinen Bewegungen sehr präsent. Das gefällt mir sehr gut.

Abgesehen vom Technischen hat Subileau noch dazu eine unglaublich angenehme, freundliche Art. Und ich habe ihn bei diesem Training zum ersten Mal über Philosophie sprechen gehört. Zum Abschluss des Trainings sprach er davon, was einen Angriff provoziert oder auslöst. Nicht etwa im technischen Sinn, sondern eben im menschlich-philosophischen. Er sagte (wenn ich das richtig verstanden habe), dass jemand meist dann angreife, wenn er einen Mangel verspürt, den er ausgleichen will oder/und wenn er Angst fühlt. Wenn jemand dagegen völlig im eigenen Ki ist, eben keinen Mangel und keine Angst verspürt, dann hat er auch keinen Grund jemand anders anzugreifen. Man erlebt in unseren Gefilden ja selten, dass mal über Philosophie gesprochen wird und ich sauge das dann immer auf wie ein Schwamm.

Was er da sagte war total “up my street” und es ist etwas, was ich auch in meinem Beruf als Homöopathin jeden Tag beobachte. Alle negativen Gefühle - Neid, Aggression, Arroganz, etc - haben am Ende doch immer den gleichen Ursprung: Mangel und Angst. In meinem eigenen Verständnis geht es sogar noch einen Schritt weiter. Ich kann nur leer sein, wenn ich nicht ständig damit beschäftigt bin, mich anfüllen zu wollen (=Gefühl von Mangel?). Man spürt diese Lehre manchmal bei fortgeschrittenen Meistern z.B. rein technisch, aber ich habe eine solche Leere auch schon im persönlichen Bereich z.B. bei Rajan Sankaran - einem Homöopathen nach dessen Methode ich arbeite - erlebt. Eigene Leere bedeutet für mich ebenfalls, dass ich versuche, mein Ego loszulassen und stattdessen meine Einheit mit der universellen Energie zu spüren. Sobald ich mich von dieser Energie trenne, kommt mein Ego in´s Spiel und ich fühle Angst und eben auch Mangel. Aikido kann mir helfen, an dieserAngst und dem Mangel zu arbeiten. Genau das ist meine Idee von Aikido und so wie ich O-Sensei verstehe (wenn ich ihn denn verstehe) hat er unter anderem ungefähr sowas sagen wollen. Das ist jetzt meine Interpretation, aber vielleicht bekomme ich ja mal die Gelegenheit, mehr darüber von Subileau zu erfahren. Das wäre sehr schön.

Sonja

Jules hat diese Woche eine sehr interessante Einsicht gehabt, bei der es darum geht, wo der Mittelpunkt der Kreise in den Aikido-Techniken liegt. Schon bei den Ausweichbewegungen wird klar, dass nicht Nage der Mittelpunkt der Technik ist, sondern der Punkt genau zwischen Nage und Uke. Um diesen Punkt dreht sich alles. Das macht sehr viel Sinn und so klar wie Jules das ausdrückte, hatte ich das noch nie gesehen. Witzigerweise hatte ich gerade im Training am Dienstag bei Martin an einem ähnlichen Punkt bei Irimi nage gearbeitet. Die Zentrifugalkraft kommt hier manchmal recht unhilfreich ins Spiel und bringt den Kopf des Uke, den ich ja kontrollieren will, immer weiter weg von mir. Es stellte sich heraus, dass man, um das zu vermeiden, eben nicht sich selbst zum Zentrum der Bewegung zu machen, sonden den Abstand zu nage genau wählen muss, dass das Zentrum der Bewegung zwischen uns liegt. Physisch hatte ich das am Dienstag schon kapiert, theoretisch erst jetzt, nachdem Jules das so klar formulierte. Ein Prinzip, dass sich in alle Techniken integrieren lässt.

Auch philosophisch macht das viel Sinn. Um eine harmonische Lösung in einem Konflikt zu erreichen, darf ich nicht nur mich selbst zum Zentrum des Geschehens machen - eine Konfliktlösung kann so nie zu beiderseitiger Zufriedenheit führen. Nur wenn ich ein gemeinsames Zentrum finde, einen gemeinsamen Nenner sozusagen, kann die folgende Lösung für beide akzeptabel und harmonisch sein.

Technik und Philosophie sind so eng miteinender verwoben - das fasziniert mich immer wieder auf´s Neue!

Sonja

…ist mir letzte Woche aufgegangen. Bei so vielen Leuchtern würde man viel Licht erwarten, aber trotzdem herrscht in meinem Kopf noch tiefste Nacht was Aikido angeht :-) Aber ich gebe die Suche nach den Lichtschaltern nicht auf.

Die erste Erkenntnis hatte ich im Training am Freitag. Beim Training eines Kokyu nage mit Leoni bemerkte ich (nicht etwas durch hinsehen sondern durch die Art wie sich ihr Wurf anfühlte), dass ihre Aufmerksamkeit in ihrem Arm anstatt in ihrer Körpermitte lag. Als ich ihr sagte, dass sie sich in ihre Körpermitte statt in ihren Arm hineindenken soll, hat es dann plötzlich geklappt. Das war echt ein totales Aha-Erlebnis für mich als Trainerin. Bisher hatte ich nie so deutlich gespürt, dass man erkennen kann, wo die Aufmerksamkeit eines Trainingspartners ist. Genauer gesagt: in welchem Körperteil sie ist. Ich möchte jetzt versuchen, das nicht nur als Trainerin sondern auch in meinem eigenen Training umzusetzen.

Erkenntnis die zweite: Beim Bundeslehrgang mit Martin in Dresden hat es klick gemacht, als wir Kokyu nage gegen ryote tori geübt haben (irimi ashi eintreten, mit der einen Hand den Ellbogen hochführen und die andere fallen lassen). Eine Form, mit der ich mich immer irgendwie schwer getan hatte, wohl deshalb, weil ich sie nie auch nur ansatzweise kapiert habe. Ich habe diese Form dann im Training am Montag abend wiederholt und da sind mir endgültig die Schuppen von den Augen gefallen. Es hört sich so simpel an, aber was ich kapiert hatte, war die Verbindung zwischen Ukes Ellbogen und meinem Zentrum, die durch meinen Unterarm hergestellt wird. Hätte ich meinem Mathe-Lehrer damals besser zugehört, hätte es vielleicht schneller geklingelt :-) denn eigentlich ist das alles ja nur Geometrie gepaart mit Physik. Wenn ich den Ellbogen nach oben führe, ist irgendwann Schicht im Schacht und Uke muss auf die Zehenspitzen gehen, zumal wenn ich mein Zentrum unter diesen Punkt bringe. Ein Prinzip, das sich in so vielen Techniken findet, so auch bei ikkyo tenkan. Jorma Lyly (wenn ich ihn richtig verstanden habe) meinte wohl so etwas in dieser Art, als er neulich sagte “wenn ich nach unten gehe , muss uke nach oben gehen - und wenn ich nach oben gehe, muss Uke nach unten gehen”. An anderer Stelle habe ich das auch schon als “entwurzeln” bzw “grounding” gelesen. Der Rest ist dann Geschicht bzw. Kuzushi. Auch wenn sich das alles so simpel anhört und ich es in der Theorie schon vorher wusste, habe ich doch jetzt erst das Gefühl, es wirklich in meinem Körper verstanden zu haben. Frei nach Armstrong: Ein großer Schritt für mich, ein kleiner Schritt für die Menschheit. :-)

Es fasziniert mich unheimlich, wie sich bei Aikido Jahr für Jahr, Training für Training, neue Erkenntnisse einstellen, wie man Dinge plötzlich versteht (und dann sofort wieder vergisst :-) ) und wie man unablässig Schritte des Do geht - egal welche Graduierung man hat. Es gibt so viel zu entdecken und je mehr ich entdecke desto größer scheint das Wunderland zu werden, in das ich da gestolpert bin. Je mehr ich verstehe, desto schwieriger und spannender wird alles. Und je mehr ich mir zutraue, desto neugieriger werde ich, mich weiter in das Unbekannte zu begeben.

Sonja

Endlich wieder auf der Matte

Dezember 13, 2006

Nach Erkältung, erneuter Verletzung und krankem Kater konnte ich am Montag endlich wieder mit Jules Training geben. Wir waren zwar dieses Mal nur eine kleine Gruppe, aber die Atmosphäre war sehr konzentriert und das Training hat mal wieder viel Spaß gemacht.

Neu war für mich, dass ich dieses mal einen Punkt bei einer Technik hervorheben wollte - das Kontrollieren der Mittelachse, von dem Martin in letzter Zeit oft spricht und das ich langsam anfange zu verstehen (hoffe ich zumindest) - und dass ich mit dieser Idee gespielt habe um zu sehen, wie man genau dieses Detail üben kann und in welchen Techniken es besonders hervorsticht. Dieses “Spielen” mit Ideen ist Neuland für mich. Es zeigt mir, dass sich mein Verständnis vielleicht langsam Schritt für Schrit von Techniken löst und ich im Denken und Üben freier werde. Das ist eine Entwicklung die man nicht erzwingen kann und über die ich mich sehr freue. Ich glaube sie ist ein wichtiger Teil auf dem Weg hin zum “eigenen” Aikido.

Gestern hatte ich dann ein echt supertolles Training bei Martin. Manchmal gibt es Tage, da steht man auf der Matte und hat das Gefühl, dass kommen kann, wer und was will. Gestern war so ein Tag. Ich habe meinen sicher10-15 kg schwereren Uke mühelos hart geworfen - immer wieder und mit zunehmendem Spaß :-) und stand beim Abschluss der Technik total sicher.
Obwohl meine Eltern eine sehr emanziperte Beziehung führen, bin ich in unserer Gesellschaft trotzdem mit dem Wissen aufgewachsen, dass wir als Mädchen eben schwächer sind. Ist ja auch nicht ganz falsch, denn ich habe wirklich keine Kraft in den Armen und habe beim Schulturnen immer wie ein nasser Sack Mehl am Reck gehangen. Wenn ich dann in diesen Momenten auf der Matte so mühelos einen schwerere, stärkeren Mann derart werfen kann, ist das für mich eine wirklich tolle Erfahrung. Nicht nur für mein Aikido. Diese Momente kommen immer öfter vor, obwohl die Tage, an denen die Löcher in meiner Technik dominieren noch deutlich in der Überzahl sind :-)

Erkenntnis de Tages: Übung macht den Meister.

Sonja

Aiki is everywhere

November 26, 2006

Ich habe das Seminar über Renaissancefechten überlebt. Zwei Tage lang wurde gnadenlos gestochen und parriert. Mit (stumpfen) Waffen. Jedoch bleibt eine Waffe immer eine Waffe. Mit lediglich ein paar Handschuhe und Reflexe zum eigenen Schutz, war die Bedrohung durchaus vorhanden. Sowas steigert die Konzentration und die Aufmerksamkeit immens.

Nach diesem Wochenende kann ich mit voller Gewissheit sagen: Aiki ist überall.

-Distanz, Timing, Harmonieren, Ausweichen, Entspannung, Zentrum und sogar die Fußarbeit. (Ein Taisabaki bleibt eben ein Taisabaki, auch wenn die ignoranten Westlichen keinen anständigen Namen dafür haben außer “mach das hier mit den Füßen, um die gegnerische Klinge auszuweichen”. Der japanische Name scheint mir eindeutig kurzer und schicker zu sein.)

Aiki ist aber auch Kopfsache: Das aufmerksame Warten vor dem Angriff. Die Ruhe, wenn der Angriff kommt, die geistige Klarheit.

Ich wurde schon das eine oder andere Mal vom Bokken-schwingenden Kiai-schreienden Aikidoka angegriffen. Ein “Allee” behauptender Typ mit einem übergroßen Zahnstocher muss sich noch ein Bissle mühe geben, um mich zu erschrecken. “Allee”, wie viele von uns zweifellos bereits wissen, ist ja eine Straße, die zwischen zwei Reihen von Bäumen verläuft.

Von einem Menschen angegriffen zu werden, der gerade “Straße, die zwischen zwei Reihen von Bäumen verläuft!” schreit, ist weitaus weniger erschreckend als
“KIIIIIIIIIIAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAI!!!!!!!”

Nach dieser kleinen philolpgoschen Ausschweifung, nun zurück zum eigentlichen Thema: Geistige Ruhe.

Meine ist zwar nicht so gut, wird immer besser und zahlt sich immer wieder aus.
Dank dieser Ruhe habe ich aus dem Seminar viel mehr mitnehmen und lernen können, als sonst möglich gewesen wäre. Dank ihr habe ich auch viel mehr Spaß gehabt.

Es gibt eine Geschichte über den berühmten Samurai, Miyamoto Musashi: Ein Meister der japanischen Teezeremonie ist zu ihm gekommen und hat ihm um Schwertunterricht gebeten. Ein Samurai hat den Teemeister zum Duell herausgefordert. Da er nichts über den Schwertkampf wusste, dachte der Teemeister, er sei regelrecht im Arsch. Musashi dagegen war anderer Meinung.
“Du bist doch Meister der Teezeremonie. Begegne doch deinem Gegner mit derselben Aufmerksamkeit und Konzentration, der du der verdammten Brühe immer widmest,” meinte Musashi.
Von dieser Yoda-ähnlichen Aussage entsprechend erleuchtet, tratt der Teemeister gegen den Samurai an. Der Samurai fand keine Lücke in der Konzentration und dem Fokus des Teemeisters. Das war ihm dann zu blöd und er brach den Kampf ab und ging nach Hause. Der Teemeister machte weiterhin Tee und die Geschichte ging somit zu Ende.

Der Sinn dieser Geschichte?
Sei nett zu deinem Teehändler? Wer mit einem Schwert in der Hand den ganzen Tag in der Sonne steht, hat einen Schatten?
Viele Dinge, die wir wissen, sind vielseitig verwendbar und wir können Vieles verstehen. Besonders wenn wir dem Neuen mit offenem Geiste begegnen.

Ben

Nach der Prüfung ist vor der Prüfung.

Bei uns war das diese Woche wahrhaftig so.

Für mich war Leonis Prüfung inspirierend: Eine klare Ausweichbewegung, die konzequent umgesetzt wurde. Das macht für klares Aikido und gab mir zu denken: Mehere Wege führen zum Ziel. Langsam versuche ich “Eingang” von “Technik” zu unterscheiden. Ich glaube, wenn der Eingang richtig gemacht wird, können wir so gut wie jede beliebige Technik danach zusammenbasteln.

Die letzten paar Wochen habe ich mit dem Versuch verbracht, aus den ganzen Angriffen, Eingängen, Ausweichbewegungen und einigen Techniken für mich ein kleines, verständliches System zu machen. Natürlich scheitert der Versuch jedes Mal ziemlich kläglich. Das ist aber so in Ordnung. Die Japaner stehen auf gescheiterte Helden. Ihnen ist die Absicht, die dahinter steckt eher von Belang. In ihrer Geschichte, Mythologie und in ihren Sagen scheitern viele ihrer Helden. Aber ihre Absichten, die Vertretung bzw. Verkörperung einer Moralvorstellung war viel wichtiger als ihr Erfolg oder Miserfolg. Habe ich dabei aber irgendwas begriffen? Eigentlich schon:
Mir wäre eine mündliche Prüfung viel lieber als technisches Können physikalisch unter Beweis zu stellen.

Heute war in manchen Hinsichten schlimmer als eine Prüfung. In der Prüfung blamiere ich lediglich mich selbst und verletze vielleicht meinen Uke. Shit happens. Knochen heilen wieder.

Aber auf dem Lehrgang den Uke sein zu dürfen für den Sensei, der mich prüfte, das war viel schlimmer. Das ist sowohl eine Ehre als auch eine Verantwortung zugleich. Baue ich scheiße, habe ich auch ihn blamiert.

Wir haben es beide scheinbar mit minimalen Verletzungen überlebt.

Zurück zum Anfang. In Plattenhardt haben wir einige tollen Vorteile: Nicht nur wachsen wir und lernen wir zusammen als eine Gruppe, sondern wir haben auch Zwei Lehrer, die zusammen nicht nur grundliegende Technische ansichten vertreten und lehren, sondern auch viel Wert auf die Fallschule legen. Wir haben Spaß an Ukemi. Und das zahlt sich aus. Eher früher als später.

Mir sin die, wo fliega wellet.

Ben

Basics

Oktober 30, 2006

Gestern beim Lehrgang in Esslingen haben wir unglaublich lange einfach nur Basics geübt. Grundübungen mit dem jo, Ausweichen gegen yokomen uchi, Angriff yokomen uchi. Shihonage. Ude kime nage. Basics machen mir Spaß, vor allem wenn sie gut erklärt werden und man sie mit netten Partnern üben kann, die sich ebenfalls darauf einlassen, Basics zu üben, anstatt sofort wieder die Verschnörkelungen und fortgeschrittenen Dinge zaubern zu wollen.

Kleine Kinder müssen erst mal krabbeln und dann stehen lernen, bevor sie anfangen können, zu gehen und irgendwann zu laufen, zu hüpfen oder zu rennen. Am Anfang mag das Wort gewesen sein, aber ich bin sicher es war dicht gefolgt vom Stand :-) Wenig Leute können richtig, zentriert und stabil stehen. Viele versuchen es noch nicht mal. Gut stehen ist ganz schön schwierig finde ich und ich habe gestern mal wieder gesehen, wie sehr ich selbst das noch üben muss. Ein gutes Vorbild in dieser Hinsicht ist Yamada, der einfach immer steht als wäre er ein Baum, der schon seit 400 Jahren an dieser Stelle steht und sich über Hurricane Kathrina in´s Fäustchen lacht.

Wenn die Basics dann besser werden, wird der Rest dadurch automatisch auch besser und dann macht auch das Spielen mit der Trickkiste automatisch mehr Spaß.

Erkenntnis des Tages: I love basics!

Sonja

Fließen und fliegen lassen

Oktober 28, 2006

Was ich gestern begriffen habe: Fluss kann nur entstehen, wenn ich meine Gedanken loslasse und dem eigenen Körper vertraue. Besonders deutlich habe ich das beim Vorwärtsrollen gemerkt. Denken macht ängstlich und verspannt den Körper, dadurch wird alles hart, eckig und möglicherweise schmerzhaft, wodurch mehr Angst aufkommt, alles noch verpannter wird und noch härter und…
Man weiß ja nie warum, also woran es liegt, aber es gibt sie einfach, die guten und die schlechten Aikidotage. Gestern war ein guter, ein sehr guter. Endlich freue ich mich auch darauf, Uke zu sein und rollen zu dürfen, ohne mich jedesmal vor dem Rollen wie ein Springpferd zu fühlen, das vor dem Hindernis verweigert, bis es dann allen Mut zusammennimmt und doch noch springt - natürlich ohne Freude. Gestern hatte ich ein ganz neues Gefühl: Fließend fliegen voller Freude ;-)…
Danke für das schöne Training!!

Leoni