…ist mir letzte Woche aufgegangen. Bei so vielen Leuchtern würde man viel Licht erwarten, aber trotzdem herrscht in meinem Kopf noch tiefste Nacht was Aikido angeht :-) Aber ich gebe die Suche nach den Lichtschaltern nicht auf.

Die erste Erkenntnis hatte ich im Training am Freitag. Beim Training eines Kokyu nage mit Leoni bemerkte ich (nicht etwas durch hinsehen sondern durch die Art wie sich ihr Wurf anfühlte), dass ihre Aufmerksamkeit in ihrem Arm anstatt in ihrer Körpermitte lag. Als ich ihr sagte, dass sie sich in ihre Körpermitte statt in ihren Arm hineindenken soll, hat es dann plötzlich geklappt. Das war echt ein totales Aha-Erlebnis für mich als Trainerin. Bisher hatte ich nie so deutlich gespürt, dass man erkennen kann, wo die Aufmerksamkeit eines Trainingspartners ist. Genauer gesagt: in welchem Körperteil sie ist. Ich möchte jetzt versuchen, das nicht nur als Trainerin sondern auch in meinem eigenen Training umzusetzen.

Erkenntnis die zweite: Beim Bundeslehrgang mit Martin in Dresden hat es klick gemacht, als wir Kokyu nage gegen ryote tori geübt haben (irimi ashi eintreten, mit der einen Hand den Ellbogen hochführen und die andere fallen lassen). Eine Form, mit der ich mich immer irgendwie schwer getan hatte, wohl deshalb, weil ich sie nie auch nur ansatzweise kapiert habe. Ich habe diese Form dann im Training am Montag abend wiederholt und da sind mir endgültig die Schuppen von den Augen gefallen. Es hört sich so simpel an, aber was ich kapiert hatte, war die Verbindung zwischen Ukes Ellbogen und meinem Zentrum, die durch meinen Unterarm hergestellt wird. Hätte ich meinem Mathe-Lehrer damals besser zugehört, hätte es vielleicht schneller geklingelt :-) denn eigentlich ist das alles ja nur Geometrie gepaart mit Physik. Wenn ich den Ellbogen nach oben führe, ist irgendwann Schicht im Schacht und Uke muss auf die Zehenspitzen gehen, zumal wenn ich mein Zentrum unter diesen Punkt bringe. Ein Prinzip, das sich in so vielen Techniken findet, so auch bei ikkyo tenkan. Jorma Lyly (wenn ich ihn richtig verstanden habe) meinte wohl so etwas in dieser Art, als er neulich sagte “wenn ich nach unten gehe , muss uke nach oben gehen - und wenn ich nach oben gehe, muss Uke nach unten gehen”. An anderer Stelle habe ich das auch schon als “entwurzeln” bzw “grounding” gelesen. Der Rest ist dann Geschicht bzw. Kuzushi. Auch wenn sich das alles so simpel anhört und ich es in der Theorie schon vorher wusste, habe ich doch jetzt erst das Gefühl, es wirklich in meinem Körper verstanden zu haben. Frei nach Armstrong: Ein großer Schritt für mich, ein kleiner Schritt für die Menschheit. :-)

Es fasziniert mich unheimlich, wie sich bei Aikido Jahr für Jahr, Training für Training, neue Erkenntnisse einstellen, wie man Dinge plötzlich versteht (und dann sofort wieder vergisst :-) ) und wie man unablässig Schritte des Do geht - egal welche Graduierung man hat. Es gibt so viel zu entdecken und je mehr ich entdecke desto größer scheint das Wunderland zu werden, in das ich da gestolpert bin. Je mehr ich verstehe, desto schwieriger und spannender wird alles. Und je mehr ich mir zutraue, desto neugieriger werde ich, mich weiter in das Unbekannte zu begeben.

Sonja

Weihnachtstraining

Dezember 22, 2006

Gestern Abend war das letzte Training dieses Jahres mit Martin in Böblingen. Wie letztes Jahr auch durfte jeder seine Lieblings-Technik vorzeigen, die dann jeweils geübt wurde (da fällt mir ein - Jürgen kam gar nicht dran!). Die Auswahl war sehr interessant. Mike zeigte kiri otoshi gegen yokomen - ebenfalls eine meiner Lieblingstechniken; und Olli - ich kann es immer noch nicht fassen, dass das seine herzallerliebste Technik ist - führte aiki otoshi vor. Ich glaube ich kenne sonst niemanden, der diese Technik besonders mag… :-) Es war eine nette Mischung und recht vielseitig. Meine momentane Lieblingstechnik (unter anderen) ist hiji otoshi. Gestern gegen yokomen uchi. Kurz, knackig, klar. Und trotzdem komplett ohne Ecken und rund. Eine Technik zum Gas geben…
Danke an dieser Stelle nochmal an Martin für das letzte Jahr voller toller Trainings und unsagbar wertvoller Tips, für seine Unterstützung und seine Geduld.

Sonja

Endlich wieder auf der Matte

Dezember 13, 2006

Nach Erkältung, erneuter Verletzung und krankem Kater konnte ich am Montag endlich wieder mit Jules Training geben. Wir waren zwar dieses Mal nur eine kleine Gruppe, aber die Atmosphäre war sehr konzentriert und das Training hat mal wieder viel Spaß gemacht.

Neu war für mich, dass ich dieses mal einen Punkt bei einer Technik hervorheben wollte - das Kontrollieren der Mittelachse, von dem Martin in letzter Zeit oft spricht und das ich langsam anfange zu verstehen (hoffe ich zumindest) - und dass ich mit dieser Idee gespielt habe um zu sehen, wie man genau dieses Detail üben kann und in welchen Techniken es besonders hervorsticht. Dieses “Spielen” mit Ideen ist Neuland für mich. Es zeigt mir, dass sich mein Verständnis vielleicht langsam Schritt für Schrit von Techniken löst und ich im Denken und Üben freier werde. Das ist eine Entwicklung die man nicht erzwingen kann und über die ich mich sehr freue. Ich glaube sie ist ein wichtiger Teil auf dem Weg hin zum “eigenen” Aikido.

Gestern hatte ich dann ein echt supertolles Training bei Martin. Manchmal gibt es Tage, da steht man auf der Matte und hat das Gefühl, dass kommen kann, wer und was will. Gestern war so ein Tag. Ich habe meinen sicher10-15 kg schwereren Uke mühelos hart geworfen - immer wieder und mit zunehmendem Spaß :-) und stand beim Abschluss der Technik total sicher.
Obwohl meine Eltern eine sehr emanziperte Beziehung führen, bin ich in unserer Gesellschaft trotzdem mit dem Wissen aufgewachsen, dass wir als Mädchen eben schwächer sind. Ist ja auch nicht ganz falsch, denn ich habe wirklich keine Kraft in den Armen und habe beim Schulturnen immer wie ein nasser Sack Mehl am Reck gehangen. Wenn ich dann in diesen Momenten auf der Matte so mühelos einen schwerere, stärkeren Mann derart werfen kann, ist das für mich eine wirklich tolle Erfahrung. Nicht nur für mein Aikido. Diese Momente kommen immer öfter vor, obwohl die Tage, an denen die Löcher in meiner Technik dominieren noch deutlich in der Überzahl sind :-)

Erkenntnis de Tages: Übung macht den Meister.

Sonja

(Uke) sein oder nicht sein…

November 17, 2006

Gestern im Training bei Martin haben wir fast eine Stunde lang kaiten nage soto gemacht. Das war echt super. Nicht oft hat man die Zeit, so tief in eine Technik einzusteigen und sich die Details genau anzusehen. Und Martin findet ja bekannterweise immer Details die falsch oder verbesserungswürdig sind :-)

Auf dem Weg zum Training sprachen Martin und ich darüber, wie es ist, wenn man von einem Sensei als Uke benutzt wird. Martin meinte, da sei man wahrscheinlich schon ganz schön aufgeregt (siehe Ben´s Post von neulich). Aufgeregt? Aber hallo! :-) Nicht nur das. Zumindest in meinem Fall. Wie Ben schreibt will man selbstverständlich den Lehrer nicht blamieren und sich als Uke möglichst so verhalten, dass der Lehrer die Technik und seine Hinweise optimal vorzeigen kann. Ich finde aber, es ist noch mehr als das. Besonders wenn man vom eigenen Lehrer nach vorne geholt wird, hat es noch mehr Dimensionen. Meinen eigenen Lehrer möchte ich natürlich noch viel weniger blamieren, als einen fremden. Schließlich setzt er genug Vertrauen in mich um mir zuzutrauen, dass ich das da vorne auch kann. Außerdem ist jeder Schüler auch immer eine direkte Reflektion des Lehrers - irgendwo muss ich das ja schließlich herhaben, was ich zeige und mache. Last but not least kommt dann für mich noch dazu, dass ich es als Ehre und Anerkennung empfinde, wenn ich als Uke herhalten darf. Es ist eine wertvolle und unmittelbare Art, von einem Lehrer lernen zu können und nie kann man das eigene Ukemi mehr verbessern als wenn man von jemandem rumgeworfen wird, dem man 150%ig traut.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, als ich zum ersten Mal bei einem Lehrgang Martin´s Uke war. Ich dachte alle müssten hören, wie mein Herz schlägt. Auch heute bin ich noch aufgeregt, wenn er das außerhalb unseres Dojos mit mir macht. Aber es ist eine absolut positive Aufregung und ich genieße jeden Augenblick.

In unserem Dojo in Plattenhardt zeigen Jules und ich momentan die meisten Techniken noch miteinander vor, weil wir so viele Anfänger haben und es deshalb wichtig ist, nicht nur die Technik sondern auch das dazugehörige Ukemi zu sehen. Aber eigentlich freue ich mich darauf, dass auch ihr in absehbarer Zeit so weit sein werdet, diese Rolle zu übernehmen und auf diese Art zu lernen. Es ist unheimlich bereichernd und macht einfach tierischen Spaß! :-)

Erkenntnis des Tages: Uke werden ist sehr schwer, uke sein noch viel, viel mehr!

Sonja

Ich kann fliegen

November 16, 2006

ok, ich will offen mit euch sein. Als ich letzets Jahr mit Aikido angefangen habe, kannte ich nicht eine Bewegung, keine Bilder und hatte auch keine Vorführung gesehen, bin also total blank ins erste Training. Dort hatte ich gleich viel Spaß am rollen und überhaupt an den runden Bewegungen. Dann wurde mir langsam klar wie dynamisch das ganze sein kann aus den Vorführungen von Sonja und Jules und den Ausführungen auf den Lehrgägen. Die Vorübungen für die harte Fallschule machten klar, Kopf ausschalten und Herz über den am Boden knienden Uke schmeissen und ab dafür. Doch am Montag hat die harte Fallschule begonnen und seither sehe ich uns über den Bambuswald fliegen :-).
Ohne Witz was für eine tolle Erfahrung, ich bin schwer beeindruckt auch von allen anderen, wie mutig sich jeder auf die Matte werfen ließ.
MutigeHerzen ahoi

Susanne

Klarheit

November 14, 2006

Das erste, was mich im letzten Training beschäftigt hat war Klarheit. Was Aikido betrifft, heißt das für mich: nicht trippeln, nicht wischi-waschi sein, sondern eindeutig und bestimmt. Klar eben. Klar?! :-)
Das ist mal wieder eine von den Sachen, die ich gerne vom Aikido mit in den Alltag nehmen möchte. Wie oft habe ich schon Situationen erlebt, wo ich mich meinem Gegenüber nicht eindeutig genug verhalten habe, nicht bestimmt genug aufgetreten bin oder aber (das Gegenteil davon) mit zu viel Kraft und nur auf mein Ziel konzentriert vorgegangen bin. Ich möchte gerne lernen, klar und bestimmt zu sein - besonders natürlich in Konflikt-Situationen, aber auch im Alltag. Und das, ohne andere zu verletzen, ohne Rücksicht auf Verluste nur mein Ziel vor Augen zu haben und auch ohne mir selbst untreu zu werden. Aiki spirit. Nun ja, man lernt Schritt für Schritt und jedes Training hilft auf unserem Weg ein kleines Stück weiter.

Was mich an unserer Gruppe positiv beeindruckt ist, wie wir die guten Seiten aneinander zu fördern scheinen. Coolness, Ehrgeiz, Neid und all die anderen Schwächen die jeder Mensch so mit sich rumträgt, treten in den Hintergrund und stattdessen haben wir zwei Mal die Woche eine so positive, konstruktive Atmosphäre im Dojo. Ich bin sicher, es kommen auch mal andere Zeiten. Das ist nur menschlich. Aber es ist auf jeden Fall ein Start, den ich so nicht erwartet hatte.

Tja, und natürlich war es mehr als nur toll, zu sehen, wie alle in der Gruppe, vom Weißgurt bis zum Grüngurt, die harte Fallschule mitgemacht haben. Und nicht nur das, ihr hattet sogar alle Spaß daran! Ich will mir gar nicht vorstellen, wie wir in einem Jahr oder so durch die Halle fliegen werden. Ihr werdet gar keinen Spaß mehr an Bodentechniken haben :-))) Eure Bereitschaft, diese Fallschule-Übungen (zum GRoßteil sogar völlig Angst-frei) mitzumachen, hat mir mal wieder gezeigt, dass es wichtig ist, Menschen etwas zuzutrauen. Wenn andere mir viel zutrauen, werde ich auch mehr erreichen, weil ich selbst mehr an mich selbst glaube. Glaube ich zumindest ;-)

Erkenntnis des Tages: Ikkyo: eins, zwei, drei - vorbei!

Sonja

Ein Schritt nach dem anderen

November 11, 2006

Gestern im Training haben wir gegen den Angriff ushiro ryote tori gearbeitet und teilweise dann doch recht komplizierte Techniken gemacht. Es war toll zu sehen, wie alle richtig gut mithalten konnten! Ich bin beeindruckt davon, wie viele Schritte nach vorne alle seit dem Anfang unseres Dojos schon gemacht haben. Besonders super: alle können schon vorwärts rollen und auch die Übungen zur harten Fallschule (die ja so hart gar nicht ist) machen alle - auch unsere Weißgurte - fleißig und wirklich gut mit. Hut ab!

Dieses Wochenende kommt dann der erste Dojo-Ausflug :-) nach Waiblingen zum Landeslehrgang. Es freut mich, dass Jules´ Knie wieder so weit in Ordnung zu sein scheint, dass er zumindest vorsichtig mittrainieren kann. So können wir beide unsere “Mädels” zum ersten Lehrgang mitnehmen. Ich hoffe, dass alle viel Spaß haben werden. Nur Ben geht vielleicht nicht ganz unbelastet nach Waiblingen und wir wissen alle, warum :-) Ich drücke die Daumen, obwohl du das wahrlich nicht brauchst, Ben.

Sonja

Fließen und fliegen lassen

Oktober 28, 2006

Was ich gestern begriffen habe: Fluss kann nur entstehen, wenn ich meine Gedanken loslasse und dem eigenen Körper vertraue. Besonders deutlich habe ich das beim Vorwärtsrollen gemerkt. Denken macht ängstlich und verspannt den Körper, dadurch wird alles hart, eckig und möglicherweise schmerzhaft, wodurch mehr Angst aufkommt, alles noch verpannter wird und noch härter und…
Man weiß ja nie warum, also woran es liegt, aber es gibt sie einfach, die guten und die schlechten Aikidotage. Gestern war ein guter, ein sehr guter. Endlich freue ich mich auch darauf, Uke zu sein und rollen zu dürfen, ohne mich jedesmal vor dem Rollen wie ein Springpferd zu fühlen, das vor dem Hindernis verweigert, bis es dann allen Mut zusammennimmt und doch noch springt - natürlich ohne Freude. Gestern hatte ich ein ganz neues Gefühl: Fließend fliegen voller Freude ;-)…
Danke für das schöne Training!!

Leoni

Dazwischen

Oktober 25, 2006

Heute ist Mittwoch, wir befinden uns also genau zwischen Montag und Freitag… Das heißt also zwei Tage nach und zwei Tage vor dem Training. Und genauso fühle ich mich auch. Ein Teil von mir ist damit beschäftigt, das Montagstraining zu verarbeiten, der andere freut sich schon wieder auf Freitag. Ich würde jetzt gerne über Techniken schreiben, aber Te-Getana, Tenchi nage und Co. bilden derzeit noch einen verwirrenden japanischen Vokabelcocktail in meinem Kopf. Und das sind nur die sprachlichen Schwierigkeiten…Ich meine, über die koordinativen muss ich als Anfänger wohl nicht groß etwas erzählen…Ein faszinierender Sport, der einen so oft frustriert und trotzdem süchtig macht. Und dabei bin ich natürlich weit entfernt von zentriertem Arbeiten, Energiefluss oder Technik-Verbessern. Aber diese kleinen Momente, in denen man auch als Anfänger erahnen kann, wie es funktionieren und wie es sich anfühlen könnte, reichen aus. Abgesehen natürlich von der netten Atmosphäre und den tollen Leuten, die man zweimal die Woche trifft! Montag war einer von den “Ich kann ja gar nichts”-Tagen, aber jetzt freue ich mich einfach auf Freitag und hoffe auf einen “Ich kann schon ein bisschen was und will alles lernen”-Tag ;-) Und natürlich auf das genütliche Beisammensein nach dem Training…

Leoni

Balancing Heaven & Earth

Oktober 24, 2006

It never ceases to amaze me how much I learn from giving an aikido practice. Last night whilst I was watching the group doing Ikkyo from katate tori ai hanmi a few things became clear. One of the things I look foward to taking into practice (when my knee allows me) is that it is so easy to focus on earthing oneself or leading energy up to heaven but to find the balance of heaven and earth is not so simple. When we find the balance between heaven and earth in our movement we can really experience being centered. Tenchi nage of course is a form that helps us practice that but I really started to see it in ikkyo last night. So thanks everyone, I’m looking foward to Friday. ;-)

Jules