Noch mehr Kontakt und was zum Lachen
Juli 4, 2007
Gestern schickte mir Jules einen Link zu einem Artikel über Atteru, der sehr gut zum Thema Kontakt passt. Leider nur auf Englisch, ich werde mal anfragen, ob ich den Artikel übersetzen darf. Lesen könnt ihr das Ganze hier.
Wer regelmäßig Aikiweb liest, kann sich das Nächste sparen, aber für alle anderen hier zwei Links zu inoffiziellen Aikido-Ratespielchen (”Welche Technik wird benutzt?”). Ich glaube die Filmemacher sind sich dessen kein bisschen bewusst, wie viel Spaß sie uns Aikidoka bereiten, wenn sie Aikido Waza in ihre Filme einbauen
1. Das Intro des neuen James Bond
2. Das Intro von Ricky Bobby – König der Rennfahrer mit Sacha Baron Cohen (ja, richtig gehört: aka Borat oder Ali G)
Viel Spaß beim Ansehen!
Sonja
Kleines Keiko aber oho
Juli 3, 2007
Keiko ist das oft gebrauchte japanische Wort für Training. Es steht hier allerdings nicht für das rein körperliche Trainieren (das wäre Renshu, dies wird aber in den Künsten, die einem Weg (Do) folgen, wenig benutzt), sondern vielmehr dafür, dass dabei “Technik, Energie und Geist zusammenkommen” und eins werden sollen. Keiko heißt übersetzt auch “die Handlung überdenken”. Das trifft meiner Meinung nach sehr gut, wie man trainieren (und vielleicht auch wie man Training geben) sollte.
Gestern waren wir nur zu sechst auf der Matte, ein kleines, ruhiges Training, aber sehr intensiv, wie ich fand. Jules und ich konnten beide nicht mittrainieren und so gab es für die Trainierenden jede Menge Aufmerksamkeit und Korrektur von beiden Seiten.
Für mich persönlich war es genau das, was Keiko besagt - nämlich ein Training in dem ich viele Dinge überdacht habe. Auf verschiedenen Ebenen. Technisch hatte ich gestern Gelegenheit, mehr über diverse Aspekte nachzudenken, die ich am Wochenende bei Subileau gelernt oder zumindest gesehen habe und die mir dort beim Zusehen durch den Kopf gingen. So konnte ich zum Beispiel gestern mein Verständnis von Kontakt und dessen Bedeutung bzw Wichtigkeit weiter ausbauen - ein Thema das mich generell in der letzten Zeit oft beschäftigt. Kontakt ist das, was mich dazu befähigt, meinen Angreifer zu spüren. Kontakt hilft mir dabei, ein Gefühl dafür zu entwickeln, wo die Technik lang geht und wo nicht, ob ich die richtige Maai habe oder nicht, ob ich mit Kraft arbeite oder die Kraft aus dem Boden und meinem Zentrum hole oder nicht. Ohne Kontakt kein Aikido und schon gar kein “Lernen” des Aikido. Kontakt kann ich aber nur dann lernen, wenn Uke dazu in der Lage ist, mir Kontakt zu geben. Mal wieder gehen Ukemi und Nage waza Hand in Hand - Yin und Yang - eines ohne das andere ist unmöglich. Und umgekehrt: wenn ich als Uke lerne, Kontakt zu geben und zu halten, kann ich diesen Kontakt auch als Nage anfangen zu erspüren. Was wirklich abgefahren ist: durch meine Aufmerksamkeit auf diesem Thema und meine Beschäftigung damit fange ich an, nicht nur in der Theorie sondern auch in der Praxis zu erfahren, dass Kontakt auch ohne körperliche Berührung möglich ist. Als Nage bekomme ich das natürlich noch nicht wirklich hin, aber als Uke habe ich das schon gespürt. Ganz schön abgefahren…
Gerade die Sache mit dem Kontakt finde ich unheimlich schwer zu vermitteln und lange Zeit wusste ich nicht, wie ich das erklären und rüberbringen soll. Gestern haben wir ein paar schöne Übungen dazu gemacht und es hat mich echt sehr gefreut zu sehen, dass wir alle zusammen angefangen haben, Kontakt nicht nur mit dem Kopf sondern auch mit dem Körper zu verstehen. Und es ist beim Zusehen deutlich, wie sehr sich alle darum bemühen, zu spüren und Kontakt herzustellen. Der schönste Moment für mich gestern Abend war, als mir das bewusst wurde.
Ein weiteres Thema von gestern Abend war der Drehpunkt des Irimi nage, bzw. der Punkt kurz vor dem Wurf, wenn Uke gerade hochgekommen ist und der Wurf an der Schulter eingeleitet wird. Subileau hatte am Wochenende ja das schöne Beispiel mit dem Hochheben des Gewichts gebracht. Eigentlich hatte er das zwar bei Tenchi nage gezeigt, die Bewegung und das dahinterstehende Prinzip sind aber gleich. Dieses Bild hat bei mir echt ein Licht im Kopf angemacht. Darauf sind Jules und ich bei der Korrektur ganz schön rumgeritten, glaube ich, aber ich für meinen Teil nur deshalb, weil ich endlich verstanden habe, was dabei eigentlich passiert und warum das passieren muss.
Diese beiden Dinge erscheinen mir momentan als sehr grundlegend und deshalb habe ich das Training gestern Abend als sehr intensiv und “wichtig” empfunden. Und es macht mir unglaublich viel Spaß zu sehen, dass “unsere Schüler” diese Sachen auch so spannend finden wie wir, dass sie versuchen sie umzusetzen und das tatsächlich auch hinbekommen. Ohne Schüler die ich anleiten darf, müsste ich nie über alle diese Sachen so intensiv nachdenken. Als Lehrer muss ich mich immer wieder fragen, worauf es eigentlich ankommt bei Techniken und bei Aikido ganz allgemein, denn genau das will und sollte ich ja versuchen, weiterzugeben. Ich denke das ist einer der Gründe, warum auch der Lehrer am Ende eines Trainings zu den Schülern “Domo arigato gozaimashita” sagt.
Sonja
The importance of being earnest… ähhh… soft!
Mai 24, 2007
Frei nach Oscar Wilde haben wir uns gestern Abend nach dem Training, das ich (weil Ed nicht da war) in Esslingen als Gasttrainerin geben durfte, Gedanken dazu gemacht, warum es wichtig ist, weich zu sein. Wir kamen darauf, weil es dort einen sehr netten, ehemaligen Karateka gibt, der einen extrem guten Stand hat (Neid!!!), noch dazu recht kräftig und ergo ziemlich schwer zu bewegen ist.
Wer von uns kennt das nicht: Man trainiert mit jemand, der zupacken kann wie ein Stier und dann einfach stehen bleibt und keine Angriffsenergie liefert. Manchmal ist das Sturheit der betreffenden Person, meistens aber machen das diese Leute weil sie denken, dass dies ein “echter” Angriff ist. Damit haben sie natürlich nicht ganz unrecht. Das, was wir als Uke machen, könnte man schon als “Mitspielen” beschreiben und sieht oft so aus, als ob Uke freiwillig fällt. Bisher ist es mir immer schwer gefallen, solchen Leuten zu erklären, warum sie ihren extrem guten Stand in gewisser Weise aufgeben müssen und warum sie “Mitspielen” müssen. Immerhin will ich ja nicht, dass es sich anhört, als ob Aikido nur Puppentheater und “Fake” ist. Dafür liegt mir die Effektivität dann doch zu sehr am Herzen. Aber wie bringt man Effektivität und Weichheit zusammen? Und warum?
Gestern Abend kam mir dann in unserer Diskussion ein Vergleich, der momentan für mich stimmig ist. In der Grundschule habe ich erst mal gelernt, einzelne Buchstaben zu schreiben. Nach einer Vorlage, so dass die “b´s” meiner Klassenkameraden genauso aussahen wie meine. Immer wieder “b” in Schreibschrift schreiben, 1000 mal. Damals hätte ich nicht im Traum daran gedacht, zu meiner (Lieblings-) Lehrerin Frau Michalsky zu sagen: “Na toll, wann werde ich schon mal den Buchstaben “b” im wirklichen Leben so schreiben müssen?! Ich will lieber gleich Romane schreiben und den Pulitzer-Preis gewinnen! Kann ich nicht sofort damit anfangen, Oscar Wilde abzuschreiben?”
Schönschrift zu üben hat nichts mit Literatur zu tun, aber es liefert mir die Grundlage dazu - die Prinzipien, die ich erlernen und irgendwann anwenden will. Wenn ich alle Buchstaben in Schreibschrift und Blockschrift drauf habe, kann ich anfangen, Wörter zu schreiben, dann Sätze und ganze Aufsätze und irgendwann wird sich sogar meine eigene, ganz persönliche Handschrift herauskristallisieren. Dann denke ich beim Schreiben nicht mehr an Buchstaben, sondern kann mich frei über das Papier bewegen.
Bei Aikido scheint es mir ähnlich. Wie Robby gestern auch sagte, geht es in den ersten (10? 20? 30? 100?) Jahren darum, Prinzipien zu erlernen. Die Techniken, die wir dafür üben sind nur Hilfsmittel auf dem Weg dahin. Als Uke muss ich also so angreifen, dass diese Prinzipien erlernt werden können. Und nicht so, als wolle ich jemand auf der Straße niedermachen. Wenn ich Martin angreife, dann merke ich genau das. Je besser ich “mitspiele” desto besser kann er die Technik zeigen, die geübt werden soll. Obwohl mein Angriff also nur “fake” ist, würde ich trotzdem nie im Leben denken, dass Martins Aikido nicht effektiv ist
Die Effektivität kommt dann, wenn man ohne zu denken Prinzipien anwendet und sich jenseits der Technik bewegt.
An dieser Stelle bietet sich ein Zitat aus Terry Dobsons Buch an. Er beschreibt, wie jemand in ein Meditationszentrum kommt und wütend ist, weil er immer noch nicht erleuchtet ist. Sein Meditationslehrer erwidert daraufhin: “Du bist nicht reif für deine Erleuchtung. Du musst erst mal an deiner Verdunkelung arbeiten.” In gewisser Weise muss man auch bei Aikido um effektiv zu werden jeden Gedanken an Effektivität erst mal beiseite legen und an der Uneffektivität - dem Weich-Sein, dem Mitspielen - arbeiten.
Das heißt ja nicht gleich, dass ich nicht auf sicheren Abstand o.ä. achten muss (denn der gehört auch zu den zu lernenden Prinzipien), sondern dass ich sowohl als uke als auch als nage eben weich sein muss, um spüren zu können, was eigentlich vor sich geht. Wenn ich mich als uke versteife, dann kann ich weder Energie geben noch selbst die Anwendung der Prinzipien spüren. Das gleiche gilt dann natürlich auch für Leute, die keinerlei Körperspannung haben und am Arm hängen wie ein nasses Handtuch.
Ich kann mich noch daran erinnern, wie ich zum ersten mal beim Üben einer Technik ohne Nachzudenken und ohne zu Stocken in eine andere Technik übergegangen bin, weil mein uke plötzlich nicht mehr “mitgespielt” hat. Für mich fühlte sich das an wie ein wichtiger Schritt auf meinem “Aiki-Do” und vielleicht markierte er den Anfang von so etwas Ähnlichem wie “Effektivität”. An diesen Punkt kann man nur kommen, wenn man vorher unendlich oft mit Partnern trainieren durfte, die auf die richtige Art und Weise mitspielen. Für gute uke sollten wir dankbar sein und versuchen, unseren Trainingspartnern das gleiche Vergnügen zu bereiten.
Früher war es mir immer unterschwellig ein bißchen peinlich, wenn ich Leuten, die mich gefragt haben, ob Aikido nicht nur “Fake” sei, erklären wollte, dass Aikido sehr wohl effektiv sein kann. Es hat sich angefühlt, als ob ich mich oder meine Kampfkunst rechtfertigen will. Komischerweise nimmt dieses Gefühl je besser mein Ukemi wird (also je besser ich mitspielen kann) immer mehr ab.
Sonja
Alle Jahre wieder…
Mai 21, 2007
…wäre schön - denn die Lehrgänge mit Martin in Kniebis sind immer wieder ein echtes Erlebnis! Vielleicht dauert es ja dieses Mal nicht wieder drei Jahre bis wir wieder in diesen Genuss kommen werden
Was wird mir in Erinnerung bleiben von diesen vier Tagen? Mal sehen….
Martin war recht spielerisch drauf an diesem Wochenende und wir haben wenige “klassische” Prüfungstechniken, dafür viele interessante, neue Eingänge für bekannte Techniken gemacht. Ich hatte den Eindruck, dass er auf der Matte so viel Spaß hatte wie wir. Ich persönlich stehe ja besonders auf Kokyo nage, womit Martin ja zum Glück auch nicht geizt
Richtig “klick” gemacht hat es für mich bei der Geschichte mit dem “Ausrichten” des Schwertes auf den Partner bei Kumi tachi. Im Prinzip nix Neues aber trotzdem hat es mir vieles für die Techniken ohne Waffen (und auch für Ukemi) verdeutlicht. Ich habe dieses Wochenende viel auf meinen Stand geachtet und versucht, daran zu arbeiten. Dabei ist mir aufgefallen, dass ich wohl noch ziemlich lange daran arbeiten werde
Auch bei der “weichen harten” Fallschule ist mir ein Kronleuchter aufgegangen. Man darf den Winkel zwischen Bauch und Beinen nicht aufgeben und muss auf jeden Fall den unbeugsamen Arm beibehalten. Ein Mal hatte ich einen Moment, wo ich ein paar Mal weich wie Watte gefallen bin - das war unschlagbar super
Leider blieb es vorläufig bei diesem einen Moment… Trotzdem merke ich, dass ich mittlerweile wenigstens die Beine nicht mehr ausstrecke sondern anziehe, wodurch das Fallen etwas leiser und weicher geworden ist. Das ist schon mal ein kleiner Fortschritt.
Mit Jules habe ich am Wurf für Irimi nage und Tenchi nage gearbeitet, bei dem Uke hart geworfen wird. Bisher hatte ich mir das bei Irimi nage nicht richtig zugetraut. Jetzt hat es schon ein paar Mal geklappt und ich bin heiß drauf, da weiter zu machen.
Es macht mich echt fertig, wie präzise Martin ist und wie er immer genau zur richtigen Zeit am richtigen Platz mit dem richtigen Abstand zu stehen scheint. Auch das wusste ich prinzipiell schon länger, aber langsam fange ich glaube ich an wirklich zu verstehen was ich da vor mir habe wenn Martin Techniken zeigt.
In Erinnerung bleiben werden mir selbstverständlich auch die netten Abende mit Whisky (der mir wohl den Ruf ruiniert hat
), Aikido-Diskussionen und sehr viel Gelächter. Ohne diesen Aspekt der Lehrgänge würde mir wirklich was fehlen und ich bin am Sonntag mit dem Gefühl heimgefahren, alte Freundschaften und Bekanntschaften etwas vertieft und neue geschlossen zu haben.
Nicht zuletzt muss ich noch erwähnen, dass Ben, Susanne, (Tüten-)Peter und Marc die restlichen Plattenhardter mehr als würdig vertreten haben. Gut gemacht!!!
Euch scheint das Wochenende genau so gut gefallen zu haben wie mir und ich hatte viel Spaß mit euch zusammen!
So, und wann ist der nächste Lehrgang???
Sonja
Start ins neue Jahr
Januar 14, 2007
Das neue Jahr hat prima angefangen: gestern und heute hielten wir unseren ersten Ukemi-Lehrgang in Plattenhardt ab. Anscheinend waren viele wegen der Weihnachtsferien so wie wir etwas Trainings-ausgehungert, denn unsere Matte war ziemlich voll.
Zwei Tage lang ging es um Rollen, Fallen, Kontakt, weich-Sein, Schwerkraft und andere Aspekte des Ukemi, die ausgiebig geübt wurden. Durch Rückenschmerzen gehandicapped konnte ich selbst leider nicht so mitmachen, wie ich mir das vorgestellt hatte. Vor allem am Samstag hat mich das sehr frustriert. Zum Glück ging es am Sonntag dann schon etwas besser und meine Lebensgeister kamen zurück.
Mal wieder habe ich gemerkt, wie viel ich durch das Unterrichten lerne. Und wo ich noch zu lernen habe. Ich empfinde es deshalb als großes Glück, dass ich die Chance habe, Training geben zu dürfen. Und noch viel mehr Spaß macht es, wenn es Leute gibt, die so aufmerksam zuhören und im Anschluss so bemüht sind, das, was wir vorzeigen und erklären, ausprobieren zu wollen.
Trotz Spaß an der Sache und viel Lachen war die Konzentration durchweg unglaublich gut - nicht selbstverständlich bei 3 Stunden Training am Samstag mit ziemlich vielen neuen Informationen und einer guten Portion Rollen und Fallen. Ich habe die Gruppe als sehr freundlich und wohlwollend miteinander empfunden. Alle haben miteinander trainiert, und nicht gegeneinander. Allein das spiegelt für mich gutes Training und in gewisser Weise auch gutes Ukemi wieder - sich gegenseitig zu erlauben, zu üben.
Für mich persönlich war der Aspekt des Kontaks bei diesem Lehrgang sehr wichtig und ich habe viel darüber gelernt. Nicht angreifen und dann einfach aufgeben oder weglaufen, sondern beim Partner bleiben, spüren, wo er mich hinführt und was er mit mir macht, und dann gegebenenfalls reagieren. Für mich ist das auch mal wieder eine Analogie zum richtigen Leben. Auch da führt manchmal kein Weg daran vorbei, einen Konflikt austragen zu müssen. Draufschlagen und wegrennen kann dann jeder. Aber Kritik zu üben und dann dem Gegenüber die Chance zu geben, mit dieser Kritik und mit mir zu arbeiten scheint mir da wesentlich sinnvoller und führt im Endeffekt zu einer Lösung, die für beide akzeptabel sein kann. Das ist für mich ein wichtiger Aspekt des Aiki.
Ein schönes Wochenende… Vielen Dank an alle Helfer!
(Uke) sein oder nicht sein…
November 17, 2006
Gestern im Training bei Martin haben wir fast eine Stunde lang kaiten nage soto gemacht. Das war echt super. Nicht oft hat man die Zeit, so tief in eine Technik einzusteigen und sich die Details genau anzusehen. Und Martin findet ja bekannterweise immer Details die falsch oder verbesserungswürdig sind
Auf dem Weg zum Training sprachen Martin und ich darüber, wie es ist, wenn man von einem Sensei als Uke benutzt wird. Martin meinte, da sei man wahrscheinlich schon ganz schön aufgeregt (siehe Ben´s Post von neulich). Aufgeregt? Aber hallo!
Nicht nur das. Zumindest in meinem Fall. Wie Ben schreibt will man selbstverständlich den Lehrer nicht blamieren und sich als Uke möglichst so verhalten, dass der Lehrer die Technik und seine Hinweise optimal vorzeigen kann. Ich finde aber, es ist noch mehr als das. Besonders wenn man vom eigenen Lehrer nach vorne geholt wird, hat es noch mehr Dimensionen. Meinen eigenen Lehrer möchte ich natürlich noch viel weniger blamieren, als einen fremden. Schließlich setzt er genug Vertrauen in mich um mir zuzutrauen, dass ich das da vorne auch kann. Außerdem ist jeder Schüler auch immer eine direkte Reflektion des Lehrers - irgendwo muss ich das ja schließlich herhaben, was ich zeige und mache. Last but not least kommt dann für mich noch dazu, dass ich es als Ehre und Anerkennung empfinde, wenn ich als Uke herhalten darf. Es ist eine wertvolle und unmittelbare Art, von einem Lehrer lernen zu können und nie kann man das eigene Ukemi mehr verbessern als wenn man von jemandem rumgeworfen wird, dem man 150%ig traut.
Ich kann mich noch gut daran erinnern, als ich zum ersten Mal bei einem Lehrgang Martin´s Uke war. Ich dachte alle müssten hören, wie mein Herz schlägt. Auch heute bin ich noch aufgeregt, wenn er das außerhalb unseres Dojos mit mir macht. Aber es ist eine absolut positive Aufregung und ich genieße jeden Augenblick.
In unserem Dojo in Plattenhardt zeigen Jules und ich momentan die meisten Techniken noch miteinander vor, weil wir so viele Anfänger haben und es deshalb wichtig ist, nicht nur die Technik sondern auch das dazugehörige Ukemi zu sehen. Aber eigentlich freue ich mich darauf, dass auch ihr in absehbarer Zeit so weit sein werdet, diese Rolle zu übernehmen und auf diese Art zu lernen. Es ist unheimlich bereichernd und macht einfach tierischen Spaß!
Erkenntnis des Tages: Uke werden ist sehr schwer, uke sein noch viel, viel mehr!
Sonja
Ich kann fliegen
November 16, 2006
ok, ich will offen mit euch sein. Als ich letzets Jahr mit Aikido angefangen habe, kannte ich nicht eine Bewegung, keine Bilder und hatte auch keine Vorführung gesehen, bin also total blank ins erste Training. Dort hatte ich gleich viel Spaß am rollen und überhaupt an den runden Bewegungen. Dann wurde mir langsam klar wie dynamisch das ganze sein kann aus den Vorführungen von Sonja und Jules und den Ausführungen auf den Lehrgägen. Die Vorübungen für die harte Fallschule machten klar, Kopf ausschalten und Herz über den am Boden knienden Uke schmeissen und ab dafür. Doch am Montag hat die harte Fallschule begonnen und seither sehe ich uns über den Bambuswald fliegen :-).
Ohne Witz was für eine tolle Erfahrung, ich bin schwer beeindruckt auch von allen anderen, wie mutig sich jeder auf die Matte werfen ließ.
MutigeHerzen ahoi
Susanne
Klarheit
November 14, 2006
Das erste, was mich im letzten Training beschäftigt hat war Klarheit. Was Aikido betrifft, heißt das für mich: nicht trippeln, nicht wischi-waschi sein, sondern eindeutig und bestimmt. Klar eben. Klar?! ![]()
Das ist mal wieder eine von den Sachen, die ich gerne vom Aikido mit in den Alltag nehmen möchte. Wie oft habe ich schon Situationen erlebt, wo ich mich meinem Gegenüber nicht eindeutig genug verhalten habe, nicht bestimmt genug aufgetreten bin oder aber (das Gegenteil davon) mit zu viel Kraft und nur auf mein Ziel konzentriert vorgegangen bin. Ich möchte gerne lernen, klar und bestimmt zu sein - besonders natürlich in Konflikt-Situationen, aber auch im Alltag. Und das, ohne andere zu verletzen, ohne Rücksicht auf Verluste nur mein Ziel vor Augen zu haben und auch ohne mir selbst untreu zu werden. Aiki spirit. Nun ja, man lernt Schritt für Schritt und jedes Training hilft auf unserem Weg ein kleines Stück weiter.
Was mich an unserer Gruppe positiv beeindruckt ist, wie wir die guten Seiten aneinander zu fördern scheinen. Coolness, Ehrgeiz, Neid und all die anderen Schwächen die jeder Mensch so mit sich rumträgt, treten in den Hintergrund und stattdessen haben wir zwei Mal die Woche eine so positive, konstruktive Atmosphäre im Dojo. Ich bin sicher, es kommen auch mal andere Zeiten. Das ist nur menschlich. Aber es ist auf jeden Fall ein Start, den ich so nicht erwartet hatte.
Tja, und natürlich war es mehr als nur toll, zu sehen, wie alle in der Gruppe, vom Weißgurt bis zum Grüngurt, die harte Fallschule mitgemacht haben. Und nicht nur das, ihr hattet sogar alle Spaß daran! Ich will mir gar nicht vorstellen, wie wir in einem Jahr oder so durch die Halle fliegen werden. Ihr werdet gar keinen Spaß mehr an Bodentechniken haben :-))) Eure Bereitschaft, diese Fallschule-Übungen (zum GRoßteil sogar völlig Angst-frei) mitzumachen, hat mir mal wieder gezeigt, dass es wichtig ist, Menschen etwas zuzutrauen. Wenn andere mir viel zutrauen, werde ich auch mehr erreichen, weil ich selbst mehr an mich selbst glaube. Glaube ich zumindest
Erkenntnis des Tages: Ikkyo: eins, zwei, drei - vorbei!
Sonja
Rolling, Rolling, Free-Falling…
November 14, 2006
Zuerst möchte auch ich Ben nochmal auf diesem Weg zum neuen Gurt gratulieren. Ich habe dir ja schon gesagt, wie beeindruckt ich von deinem Ukemi für Martin auf dem Lehrgang war! Und jetzt bist du nicht mehr grün hinter den Ohren, sondern um den Bauch ![]()
Für mich war das letzte Wochenende mal wieder eine wirklich tolle Erfahrung. Ich fand den Einstieg am Samstag ehrlich gesagt auch etwas schwierig. Zum einen weil ich wie Susanne gefremdelt habe, und zum anderen weil es eine Weile gedauert hat, bis mich der Aikido-Sog gepackt hat und ich wirklich konzentriert trainieren konnte. Dann war es super, und ich bin froh, dass ich dabei sein konnte!
Gestern hatte ich dann allerdings ziemlichen Muskelkater und echte Bedenken, was das Training am Abend anging. Und ausgerechnet an diesem Abend haben wir mit der harten Fallschule angefangen. Und - wer hätte es gedacht? - es ging sogar! Ich finde es super, dass wir damit nicht noch ewig warten müssen, sondern ihr uns schon so früh an die Freuden des Ukemi heranführt, Sonja und Jules! Ich bin sicher, wenn man das richtig beherrscht, bekommt Aikido nochmal eine ganz neue “Spaßfaktor-Dimension” ![]()
Überhaupt wird mir immer klarer, wie wichtig Ukemi ist. Am Anfang ist man ja nur auf das “Nage-Sein” konzentriert, aber ein guter Nage braucht für ein gutes Training natürlich immer auch einen guten Uke. Ich freue mich schon auf den Ukemi-Lehrgang im Januar!
Mein Körper ist jetzt gerade ganz froh über die Pause bis Freitag, aber nach einem heißen Bad freue ich mich schon wieder auf´s nächste Training! Und natürlich auf das Feiern danach!
Leoni
Die erste Prüfung!!!
November 7, 2006
Gestern war ein tolles Training und etwas ganz Besonderes: Wir durften unsere erste Prüfung in Plattenhardt abnehmen! Leoni hat mit ihrem ikkyo Standards für weitere Prüfungen gesetzt und ihren Gelbgurt absolut verdient! Herzlichen Glückwunsch nochmal an dich und viel Spaß am Wochenende mit dem ersten farbigen Gurt!!! Die eigene Prüfung zum Gelbgurt vergisst man nie und es ist toll, dass sie bei dir so gut gelaufen ist (trotz Müdigkeit!), so hast du immer gute Erinnerungen daran.
Ich persönlich finde es super, dass die erste Prüfung in Plattenhardt von einer Frau abgelegt wurde. Immerhin haben wir mehr trainierende Frauen als Männer. Sehr ungewöhnlich. Auf die Prüfungen unserer Männer freue ich mich aber selbstverständlich auch!
Jules und ich hatten uns vorher überlegt, wie wir die Prüfungen bei uns abnehmen möchten und sind jetzt, also nach der ersten Prüfung, sehr zufrieden damit, dass wir uns dazu entschlossen haben, auch ukemi (also nicht nur eine Rückwärtsrolle sondern auch Vorwärtsrolle und ukemi gegen “richtige” Techniken) und kokyo ho abzufragen. Es rundet die Prüfung ab und legt zusätzliche Bedeutung auf Dinge, die uns sehr wichtig sind.
A propos ukemi: Jules wies gestern auf die natürlich Körperspannung bei uke hin (als er zeigt, dass die runtergedrückte Hand ukes wenn losgelassen wieder leicht hochschnellt) und Ben brachte im Training dann das Thema der Führung bei yokomen uchi auf (die ebenfalls leichter wird wenn uke eine natürliche aber nicht übertriebene Körperspannung hat). Es ist so schwer, das Mittelding zwischen lommeligem und starrem/zu kraftvollem uke zu erklären… Gestern fiel mir ein neuer Vergleich dazu ein: Ein guter uke ist wie Mehrkornbrot. Wirklich
! Weder zu weich, so dass das Messer das Brot zerdrückt wie manchmal bei Weißbrot, noch zu hart so dass man nur mit Kraftaufwand eine Scheibe abschneiden kann. Mehrkornbrot hat gerade genug Konsistenz um gut und gleichzeitig leicht zu Schneiden zu sein. Dann kann man auch lernen, wie die Technik des Schneidens zu optimieren ist.
Ich glaube ich werde hier mal eine Sammlung anlegen von albernen ukemi-Vergleichen. Mehrkornbrot und Servolenkung hatten wir schon, ich bin sicher mir fällt noch mehr ein…
Und noch eine Nachbemerkung vom Montags-Training: Jules wies gegenüber Mike beim “Spätschoppen” darauf hin, dass Schwaben der Nabel der Welt ist. Da fiel mir auf: gar nicht dumm, wir Deutschen! Sogar hier im Westen wissen wir also, dass der Nabel nicht weit vom Zentrum weg ist
Sonja