In unserem freien Training am Dienstag tauchte Jules mit neuen Erkenntnissen über Irimi nage auf, die wir gleich zusammen üben mussten :-) Es ging dabei um die Form, bei der man Uke um das eigene Bein herum führt, anstatt das Bein mitzunehmen. Es ist die gleiche Form, die Subileau beim Pfingstlehrgang gezeigt hat und die er mit dem Schwert in der Hand ohne Uke demonstrierte. Endlich hat das bei mir richtig klick gemacht und gerade auch durch das, was Jules über die Führung des Kopfes verstanden hat, hat sich mein Irimi nage innerhalb weniger Tage glaube ich ganz schön verändert. Gestern im Training in Esslingen hat Jules uns das auch sofort erst mit Schwert (super Vorübung!) und dann mit Partner üben lassen und ich muss sagen, dass mir das ganze ein völlig neues Gefühl für Irimi nage beschert hat. Und man hat am Ende echt einen satten, tollen Stand. Jetzt muss sich Shiho nage meine Zuneigung mit Irimi nage teilen :-) Es ist so spannend, wie man auch als Schwarzgurt Techniken immer wieder in einem völlig neuen Licht sehen kann. Aikido ist Spiel, Spaß, Spannung - wenn jetzt noch Schokolade dazu käme, wäre es für mich das ultimative Überraschungsei :-)

Auch Koshi nage hart haben wir gestern wieder geübt und so langsam verändert sich mein Klumpfuß zu einem deutlichen aber nicht hoffnungslosen Hinken. Notiz an mich selbst: beim Eintreten eng an die Hüfte (so wie bei der weichen Form z.B. gegen ryotetori auch)!

Sonja

Boom chicka wah wah

August 21, 2007

Ok, Insider-Witze sind nur bedingt lustig, aber nach dem Training gestern Abend musste diese Überschrift einfach sein! :)

Bei Jules gab es gestern eine meiner Lieblings-nikkyo-Formen gegen ai hanmi - im Stand und auf den Knien - sowie kaiten nage und koshi nage hart. Letzteres betrachte ich ja quasi als meinen Klumpfuß, deshalb war ich froh, das mal ausgiebig üben zu können.

Beim Umhergehen bei ikkyo gegen ai hanmi ist mir dann aufgefallen, wie weich und harmonisch und trotzdem dynamisch und (auch wenn ich dieses Wort nur ungern hier benutze) effektiv selbst unsere Weißgurte arbeiten. Ich bin beeindruckt.

Es wurde gestern viel gelacht auf der Matte (siehe Überschrift). Das hat mir gefallen.

Sonja

PS: Peters Fotos von der Thannhütte sind online!

Shiho nage

August 17, 2007

Im Rahmen der Blogeinträge, die nach meinen Lieblingssongs benannt sind, folgt heute eine Hommage an Joss Stone: I fell in love with a boy shiho nage.

Gestern im Training in Esslingen habe ich u.a. shiho nage gegen gyaku hanmi mit Harald geübt. Fleißige Blog-Leser werden sich erinnern, dass Harald und sein legendärer, im Karate gelernter Stand schon mal hier aufgetaucht sind. Ich trainiere gerne mit Harald, weil eben jener Stand und seine immense Kraft in den Handgelenken eine echte Herausforderung darstellen und mir jedes Mal etwas beibringen - meist Bescheidenheit :-p

Nun gut, gestern war also shiho nage dran. Bei den ersten paar mal stand Harald - wie erwartet - wie Schillers Glocke, Kuzushi war noch nicht mal ansatzweise vorhanden und meine Muskeln meldeten mir, dass das, was ich da versuchte, nicht viel mit Kraftlosigkeit zu tun hatte. Ich fühlte mich in meine ersten Aikido-Jahre zurückversetzt, in denen sich meine Uke entweder aus der Technik drehen oder aber stehen konnten, ohne dass ich ihr Gleichgewicht gebrochen hatte - ganz im Gegensatz zu meinem eigenen Gleichgewicht, das ich vor allem bei der tenkan Ausführungen selbst zu verlieren schien. Grummel.

Gestern bin ich ganz gut damit klargekommen und nach etwas probieren wurde das ganze dann sogar recht fließend und mühelos, Harald hatte seinen Stand verloren und von Rausdrehen konnte keine Rede mehr sein. Klar, wie Volker gestern so schön zu mir sagte: Man muss auch mal einfach Trainieren können (Kontext: wir hatten gerade eine eher ungewöhnliche Hebeltechnik geübt, mit der wir uns erst mal vertraut machen mussten, bevor wir anfangen konnten, die Technik und Nage auszutesten). Aber mit Leuten zu üben, die nicht weich wie Butter sind, ist eine Herausforderung und wenn man das dann halbwegs hinbekommt, ist das schon auch ein klitzekleines Erfolgserlebnis.

Shiho nage tenkan gehört mittlerweile echt zu meinen Lieblingstechniken und es macht mir irre viel Spaß, weiter an dieser Technik zu feilen. Genau wie bei Irimi nage (ich finde das Synonym “20-Jahre-Technik” eine eklatante Untertreibung) hätte ich in den ersten Jahren nie gedacht, dass das mal so sein würde. Vielleicht geschieht ja noch ein Wunder und mir wird sogar der harte Koshi nage noch sympatisch. Die Hoffnung stirbt zuletzt…

Sonja

Puppentheater

August 10, 2007

Gestern Abend beim Umtrunk nach dem Training in Esslingen gab es mal wieder eine nette Diskussion, bei der mehrere Stichwörter fielen, die ich kurz aufgreifen will. Zum einen ging es um Kaeshi Waza (Robby kann anscheinend Gedanken lesen, denn er sprach genau über das, was ich im letzten Blog-Eintrag auch geschrieben hatte), um Masakatsu Agatsu (”Der wahre Sieg ist der Sieg über sich selbst” siehe Kanji unten) und um Absichtslosigkeit.

Carsten schickte mir dann heute morgen einen Link zu einem Aufsatz von Kleist: “Über das Marionettentheater“. Ich hätte noch vor wenigen Jahren jede Wette gemacht, dass mich nach meinem geschmissenen Germanistik-Studium keine 10 Brauereipferde mehr dazu bringen würden, jemals wieder deutsche Dramatiker zu lesen. Wette verloren. Und ich will Ron Weasley heißen, wenn der alte Kleist nicht ganz gehörig was auf dem Kasten hatte und mich neugierig gemacht hat. Was 2 Jahre Uni nicht geschafft haben, passiert jetzt durch Aikido. Wer hätte das gedacht. Ich fand - wie Carsten angekündigt hatte - gleich mehrere Ideen, die ich bei Aikido sehe, auch in seinem Aufsatz wieder. Da geht es um Zentrumsarbeit, um Absichtslosigkeit und (meines Erachtens) auch um Masakatsu Agatsu. Aber ich will nicht zu viel vorweg nehmen - lest selbst. Und schreibt mal, was ihr dazu denkt.

Und zum Abschluss extra für Carsten: :-)

Sonja

Spielen

August 8, 2007

Gestern bei Martin im Training haben wir gegen Ende Kaeshi Waza geübt und zu Beginn, als ich mit Oli trainierte, haben wir ein bisschen mit diversen Henka Waza rumgespielt. Dabei ist mir eine wichtige (wenn auch eigentlich offensichtliche) Erkenntnis über beide gekommen.

Um Kaeshi und Henka Waza richtig üben zu können, sind natürlich gutes bzw richtiges Ukemi gefragt - mehr denn je. Es kommt vor, dass Uke, sobald sich eine Öffnung in der Technik bietet, sofort mit Kraft kontert. Mir passiert das auch. Interessant daran ist, dass dies zeigt, dass man die Kraftlosigkeit noch nicht verinnerlicht hat. Und ich frage mich, in wie weit sich dabei auch das altbekannte Tier mit Namen “Siegeswillen” zeigt, das in solchen Situationen instinktiv sein Haupt erhebt. Immerhin sind wir ja Teil der Evolution und daher sind solche Instinkte tief im Mensch-Sein enthalten. (Jaja, schon gut, lassen wir die Philosophie auch heute mal beiseite und kommen zur Technik zurück…) Jedenfalls habe ich gemerkt, wie - sobald Uke mit Kraft reagiert und versucht, durch diese die Technik zu blockieren - genau das passiert: ein Block. Der Fluss stoppt. Sofort. Und Uke verbaut sich selbst dadurch die Möglichkeit von Kaeshi Waza. Und er (bzw sie, hähä :-) ) verbaut Nage auch die Möglichkeit, in eine andere, passendere Technik zu gehen (Henka Waza). Um Kaeshi Waza zu üben, muss der Fluss aber immer aufrecht erhalten werden und beide - Nage und Uke - müssen weich bleiben, Kontakt halten und die sich bietenden Öffnungen wie Wasser nutzen, das durch eine Ritze im Boden fließt, anstatt wie ein Brecheisen.

Ich denke, Kaeshi Waza (und auch Henka Waza) schulen eben dadurch das Weich-Bleiben und die Aufmerksamkeit dafür, wann man ohne Übergang in eine andere Technik gehen kann oder die “Rollen tauschen” kann. Und sie schulen Ukemi, denn nur wenn ich als Uke mich immer wieder neu auf Nage ausrichte, mein Fokus auf Nage bleibt, etc., kann ich die sich eventuell bietende Chance einer Kontertechnik erkennen und ohne Kraft nutzen. Vor diesem Hintergund möchte ich hier nochmal den Clip reinstellen, den wir schon mal im Newsletter hatten. Ich finde, er passt sehr gut:

http://www.youtube.com/watch?v=wMvbovk1XIE

For my own records: Habe gestern mit Bernd die Kobayashi-Version von Nikkyo geübt (Ellbogen nach unten und Richtung Ukes Zentrum führen), über die Zoran neulich gesprochen hat, und sollte mir das merken :-) Hat wunderbar geklappt.

Sonja

…sondern nur mit handfesten Fakten komme ich heute daher: Endlich sind die ersten Fotos vom Hüttenseminar auf unserer Website online. Vielen Dank an Volker, der ja leider nicht selbst mittrainieren, aber dafür Fotos machen konnte :-)

Er hat außerdem auch ein paar kurze Clips gefilmt, die ich zwar nicht auf die Plattenhardter Website stellen, euch aber trotzdem nicht vorenthalten wollte. Zu sehen gibt es sie hier (ich werde sie im Lauf des Tages alle bei YouTube hochladen):

Nikkyo
Shiho nage 1
Kote gaeshi
Kokyo nage
Shiho nage 2

Sonja

I keep on falling…

Juli 31, 2007

Mein Blog-Titel ist heute frei nach Alicia Keys gewählt - in memoriam des Singstar-Abends vom Samstag. Da gab es Momente, die ich wohl nicht so schnell vergessen werde, und die ein oder andere Gesangsüberraschung.

Auf der Tannhütte hatte ich Gelegenheit, mit Carsten ein bisschen über Ki-Aikido zu sprechen und ich glaube ich fange langsam an, diese mir bisher eher fremde Stilart besser zu verstehen. Carsten sprach über die Idee der “idealen Fallgeschwindigkeit”, die mit ein Grundbaustein der Taigi zu sein scheint. Obwohl ich teilweise noch nicht ganz von der Idee bzw deren Umsetzung überzeugt bin (was zweifelsohne an mangelndem Wissen und Verständnis meinerseits liegt), steck da auch etwas dahinter, was ich gut finde. So ganz neu ist mir der Gedanke des “Fallen lassens” ja nicht - ich erinnere mich da beispielsweise an die Anweisung “be like a waterfall”, die ich auf dem Lehrgang mit Frank Doran bekommen hatte. Aber die Diskussion hat mich auf neue Art daran erinnert und mich zum Nachdenken gebracht.

Mit Christian aus Claustal führe ich per E-Mail gerade eine interessante Diskussion zum Thema Ki. Was ist Ki bzw entsteht Ki aus Technik oder Technik durch Ki, etc. ? Meine Vorstellung von Ki hat sich über das letzte Jahr sehr verändert und momentan betrachte ich Ki nicht als Energie, die aus mir heraus entsteht, sondern die durch mich durch fließt. Ich nutze nur etwas, das sowieso schon da ist, indem ich mich dafür öffne und indem ich (mal rein technisch gesehen durch richtige Position, Ma-ai, etc.) die notwendigen Vorraussetzungen dafür schaffe, dass diese Energie oder Kraft von dort wo ich sie herhole bei Uke ankommt. Gestern Abend im Training sagte ich z.B. bei Ikkyo tenkan, dass man sich die Kraft aus dem Boden holt. Bei Entwurzelungs-Techniken erscheint mir das ganz klar und auch überhaupt nicht esoterisch. Um bei Ikkyo tenkan zu bleiben (genauer gesagt die Stelle, wo man hinter Uke eintritt und den Ellbogen hinter Uke und nach oben führt): Ich bringe meinen Körper in eine Position, in der er die Verbindung zwischen Erde und Uke ist. Je stärker Uke drückt und dagegen hält, desto stärker werde ich bzw desto stärker ist die Kraft, die wieder zu Uke zurückkommt, denn die Erde kann Uke ja schlecht wegdrücken :-) Ich nutze also nur die “Kraft” der Erde ohne selbst Muskelkraft anwenden zu müssen. Das geht natürlich einher mit adäquater Technik - ohne diese kann die erwähnte Kraft nicht “angezapft” werden.

Genau so stelle ich mir das mit dem Fallen-lassen vor. Nur wenn ich mich an der richtigen Stelle befinde und das richtige Timing habe, kann ich die Kraft der Natur (ganz konkret in diesem Fall die Schwerkraft - auch eine Kraft/Energie die von der Erde ausgeht, wie mir gerade auffällt) ausnutzen. “Aikido is the art of hitting people with planets.” Keine Ahnung, wer das gesagt hat, aber ihn oder sie würde ich echt gerne mal kennenlernen, denn ich finde in diesem Spruch, der mir erst wie ein netter Witz erschien, immer mehr Wahrheit.

Auf die weiteren Konnotationen des Fallen-lassens im philosophischen Sinn muss ich wohl nicht weiter eingehen. Sabine sagte neulich zu mir “Aikido ist echt wie das Leben. Es geht immer nur darum, loszulassen.” Wohl wahr.

Sonja

PS: Was ich noch erwähnen wollte: Gestern hatten wir außer Heike und Oli auch zwei Yudansha zu Gast im Training (Sven und Zoran) und ich hatte den Eindruck, dass dadurch das Training an Dynamik gewonnen hat. Selbst wenn die Danträger mal unter sich trainieren anstatt mit einem Kyugrad, steckt das dynamische Trainieren offensichtlich an und breitet sich über die Matte aus. Mentale Notiz: Dynamischer vormachen, dann wird auch dynamischer trainiert.

Wort zum Donnerstag

Juli 26, 2007

Nach meinem letzten Blog-Eintrag hatte ich schon fast erwartet, dass mich die netten Jungs vom roten Kreuz mit Blaulicht und Zwangsjacke abholen kommen :-)

Ben mailte mir gestern Abend einen Link zu einer (englischen) Website, die sich mit dem Thema der Effektivität von Kampfkünsten befasst. Diese Diskussion, die in einschlägigen Internet-Foren immer wieder bis zum Erbrechen aufgewärmt wird, ist mir eigentlich mittlerweile gleichgültig. Trotzdem setze ich jetzt mal den Link hier rein, denn die Seite ist wirklich sehr nett. Und hier gleich der Spoiler - nämlich das Ergebnis, zu dem der Schreiber der Website kommt - vorweg:

Without claiming to possess them (the martial arts), what I can tell you is that there are indeed incredible “truths” to be discovered through the martial arts. By nature, these revelations are more along the lines of self-improvement.

But now for a little reality break… these revelations aren’t through any guru, master, expert or style. These “truths” are far more personal than that. It is through your own understanding, learning, depth and growth that you will discover these truths about yourself and who you are. That puts the onus of thinking and understanding on you. You don’t have to “find” what works, but rather through hard work, practice and skull sweat create within yourself something that works. That is how you “master” something: By making it part of you and your awareness. Until you make it part of you, and with your particular understanding, manifest it in your own way, all you are doing is imitating someone else. No matter how proficient your mimicry, until you take this step for yourself, all you are doing is aping your teacher.

In short, which art, your lineage or who your teacher is doesn’t matter…. because it is not about those things. It is about you, what you do and who you are.

Das Wort zum Donnerstag.

Sonja

Das Training gestern Abend hat mich innerlich wirklich etwas von den Socken gehauen, und das nicht nur, weil dabei Sätze vom Wochenende aufgetaucht sind, an die ich mich schon gar nicht mehr erinnern konnte (und ich hätte auch nicht gedacht, dass Ben sich noch daran erinnern könnte) :-) Ich hätte mir gestern abend gewünscht, dass jemand meine Gedanken während des Trainings in meinem Kopf notiert, damit sie mir nicht gleich wieder entfallen… Für sowas ist so ein Blog dann ganz nützlich, denn da kann man bzw ich dann diese Gedanken festhalten.

Ich bin immernoch am Herumdenken um Atteru und Kontakt. Auch gestern haben wir das gegen den Angriff ai hanmi geübt. Und plötzlich trafen Atteru und die Idee eines gemeinsamen Mittelpunktes zusammen. Na klar - zwei Energien treffen aus unterschiedlichen Richtungen aufeinander. Der Konflikt findet in der Mitte statt, also dort, wo sich die Energien gegenüberstehen und wo sie sich berühren. Um diese Mitte herum muss die Konfliktlösung passieren. Das macht Sinn im technischen und im philosophischen Kontext. Toll, wenn man von Dingen, die man auf einem Lehrgang vor fast einem halben Jahr gehört hat, noch so lange zehren kann - in diesem Fall von dem, was Jorma Lyly in Herrenberg erzählt hat.

Und noch etwas fiel an seinen Platz (wie man auf englisch so schön sagt). Auch Jules erwähnte am Wochenende, dass man beim Anlehnen sein eigenes Zentrum ein kleines bisschen aufgeben muss. Lyly hatte das in Herrenberg auch erwähnt. Erst hatte ich das nicht kapiert. Wieso soll ich als Nage mein Zentrum aufgeben?! Ist doch irgendwie hirnrissig. Aber mittlerweile habe ich das überdacht und stimme absolut zu. Wenn wir von “Anlehnen” sprechen, dann geht es (egal ob Nage oder Uke) ja nicht darum, sich so weit aus dem eigenen Zentrum zu begeben, dass man - würde der andere plötzlich loslassen - umfallen würde. Sondern es geht darum, Kontakt aufzunehmen, dem anderen entgegen zu kommen, aber ohne dabei das eigene Zentrum zu verlieren. Im Atteru-Artikel spricht der Autor davon, dass Endo Sensei, wenn er ohne Atteru angegriffen wird, erst mal Uke “wegschiebt” und so durch sein eigenes Atteru Uke zeigt, dass er genau das auch tun muss.
Nicht nur Uke lehnt sich an. Auch Nage muss das tun. Sonst geht der Kontakt nur in eine Richtung. Vielleicht kann man sogar so weit gehen zu sagen, dass man nur dann echten Kontakt zurückbekommt, wenn man ihn selbst auch gibt. Auch im übertragenen Sinn würde das Sinn machen. Jede menschliche Beziehung, egal ob freundschaftlicher, geschäftlicher oder romantischer Art, ist eine Kontaktaufnahme. Wenn beide bereit sind, sich anzulehnen - also Kontakt aufzunehmen und so die Sicherheit des eigenen Zentrums bzw des eigenen Standpunktes für einen Augenblick zumindest zu überdenken - dann kann man sich in der Mitte treffen. Das bedeutet für mich nicht, dass es darum geht, faule Kompromisse zu treffen (Terry Dobson nennt dies “0-0-Ergebnisse”, bei denen beide Seiten weder gewinnen noch verlieren; im Gegensatz zu 1-0-Ergebnissen, bei denen einer gewinnt und der andere verliert - das denkbar schlechteste Ergebnis bei einem Konflikt. Das optimale Ergebnis ist ein 1-1-Ergebnis, auch wenn die Fußballer unter uns sowas natürlich nicht gerne hören…). Mal ehrlich - wann sind wir in einem Konflikt denn schon 100%ig im Recht? Und was bedeutet das überhaupt, im Recht zu sein? In 99% der Fälle sind wir doch irgendwie am Entstehen eines Konfliktes beteiligt, wenn auch oft ungewollt oder unbewusst. Deshalb scheint es mir nur sinnvoll, die eigene Rolle in einem Konflikt zu überdenken und zumindest zu versuchen, den Standpunkt des anderen nachvollziehen zu können.

Techniken haben immer einen Mittelpunkt, der zwischen Uke und Nage liegt. Um diesen Mittelpunkt dreht sich alles. Wie im Universum. Interessanterweise ist ja jeder gedachte Punkt des Universums auch dessen Mittelpunkt (ich hoffe ich habe im Physikunterricht richtig aufgepasst). Auch wir leben jeder von uns in einer eigenen kleinen Welt um die herum sich alles andere dreht. Wenn man den Drehpunkt zumindest mal zwischen sich und die anderen verlegen kann, anstatt sich selbst als Nabel der Welt zu betrachten, muss das doch mal im ganz Kleinen ein guter Anfang sein, um die Menschheit zu vereinen, so wie O-Sensei sich das gedacht hat. Zumindest theoretisch.

Sonja

Hüttenseminar die 2.

Juli 22, 2007

Ich mag gute Traditionen. Und ich mag gute Aikido-Seminare. Was für ein glücklicher Zufall, wenn beides zusammentrifft :-) Wie z.B. beim Hüttenseminar der Esslinger auf der Tannhütte, das am letzten Wochenende zum zweiten Mal stattfand. Ich bin ja manchmal eher Zweckpessimist und traue mich nicht, mich zu sehr auf etwas zu freuen, damit ich nicht durch unvorhergesehene Zufälle enttäuscht werde (wie beim Lehrgang in Kronau). Aber auf dieses Wochenende hatte ich mich echt gefreut und die Vorfreude wurde wirklich nicht enttäuscht.

Die zwei Tage auf der Hütte bevor der Lehrgang anfingen, waren schon mal eine nette Einstimmung für mich und ein Miniurlaub erster Güte. Ich habe gelernt, wie man Feuer macht und Holz hackt (vielleicht lerne ich nächstes Jahr auch, wie man letzteres macht ohne sich Blasen an den Händen und einen Sonnebrand zu holen) und mich mit Tips zum Prüfungprogramm zum 4. Kyu revanchiert. Danke, dass ich mitkommen durfte, Carsten!

Leider fing der Lehrgang für Jules dann ja nicht so gut an, weil er sich direkt vor dem ersten Training den Kopf aufgestoßen hatte und ins Krankenhaus musste, nur um sich einen Haufen Flüssigpflaster (ha - schon der erste Running Gag des Wochenendes) und eine Tetanussspritze einzufangen

Das Wetter war größtenteils besser als es hätte kommen können und schlechter als letztes Jahr. Zumindest konnten wir alle Trainings am Samstag durchziehen. Leider wurden die Lagerfeuer abends meist so gegen 22 h derbe durch Regen unterbrochen, aber der Aufenthaltsraum in dem ich mich immer irgendwie wie ein Mitglied der Trapp-Familie fühle, ist ja auch sehr gemütlich - vielleicht war es gerade dieser Charme, der dazu geführt hat, dass es dieses Mal an beiden Abenden Gesang und Gitarrenmusik gab statt nur an einem. Doch dazu später mehr.

Die Trainings waren für mich persönlich sehr intensiv und konzentriert. Dadurch, dass wir ja quasi nicht rollen konnten, kam es weniger zu Hauruck-Würfen und man musste langsamer und bewusster arbeiten. Ich habe Dinge weiter versucht auszubauen, die mich in letzter Zeit beschäftigen. Klar, das waren mal wieder Kontakt und Co. Dabei ist mir aufgefallen, dass sich mein Körpergefühl beim Trainieren über die letzten Monate stark verändert hat. Ich glaube (Achtung - Widerspruch in sich selbst) dass mein Kopf weniger stark arbeitet und ich sehr viel mehr in meinem Körper bin und mehr spüre. Nicht nur mich sondern auch Uke. Ich merke mittlerweile viel besser, sobald der Kontakt zwischen mir und meinem Trainingspartner abreisst (egal in welcher Rolle ich mich befinde), was mir natürlich selbst aufzeigt, wo Probleme in meiner Technik liegen, mir aber auch besser zeigt, wo Korrektur oder Tips hilfreich sein könnten.

Jules hat es für meinen Geschmack am Wochenende wirklich gut hinbekommen, Schwert und Tai waza zu kombinieren und das Verbindende herauszuarbeiten. Dabei ist mir auch mal wieder einiges klar geworden.

Mir hat auch die Shiatsu-Session tierisch gut gefallen, obwohl es danach schon etwas Selbstmotivation gekostet hat, wieder zu trainieren (wenn ich mich nicht schwer täusche, fanden sich hinterher auf der Matte mehrere Flecken die verdächtig nach Wohlfühl-Sabber aussahen :-) ) .

Nach ausreichendem Training gab es dann abends lecker Essen von Ben gekocht oder vom Schwenkgrill (”noch jemand Schafskäse?!”) und hinterher Whiskyprobe und 1a Gitarrenmusik von Olli, Volker und Ben. Dank Volkers Geistesgegenwart bezüglich seines Liederbuches kamen wir am zweiten Abend tatsächlich mal über die ersten Strophen hinaus (böse Zungen behaupten, es waren gar nur Fragmente, die uns einfielen - tststs). Ich fordere ein Tannhütten-Gesangbuch für 2008. Dann gibt es auch keine Entschuldigungen mehr.

Ich freue mich jetzt auf die Fotos vom Wochenende, obwohl sie natürlich nicht widerspiegeln können, wie viel gelacht wurde und wie nett die Stimmung zwischen den meist “alten Tannenhütten-Hasen” war. Danke auf jeden Fall nochmal an Carsten für die Organisation und an Jules für die Trainings. Auch wenn mein Gedächtnis durch Whisky und Wein leicht getrübt gewesen sein mag, werde ich das Wochenende in prima Erinnerung behalten.

Sonja