Basics

Oktober 30, 2006

Gestern beim Lehrgang in Esslingen haben wir unglaublich lange einfach nur Basics geübt. Grundübungen mit dem jo, Ausweichen gegen yokomen uchi, Angriff yokomen uchi. Shihonage. Ude kime nage. Basics machen mir Spaß, vor allem wenn sie gut erklärt werden und man sie mit netten Partnern üben kann, die sich ebenfalls darauf einlassen, Basics zu üben, anstatt sofort wieder die Verschnörkelungen und fortgeschrittenen Dinge zaubern zu wollen.

Kleine Kinder müssen erst mal krabbeln und dann stehen lernen, bevor sie anfangen können, zu gehen und irgendwann zu laufen, zu hüpfen oder zu rennen. Am Anfang mag das Wort gewesen sein, aber ich bin sicher es war dicht gefolgt vom Stand 🙂 Wenig Leute können richtig, zentriert und stabil stehen. Viele versuchen es noch nicht mal. Gut stehen ist ganz schön schwierig finde ich und ich habe gestern mal wieder gesehen, wie sehr ich selbst das noch üben muss. Ein gutes Vorbild in dieser Hinsicht ist Yamada, der einfach immer steht als wäre er ein Baum, der schon seit 400 Jahren an dieser Stelle steht und sich über Hurricane Kathrina in´s Fäustchen lacht.

Wenn die Basics dann besser werden, wird der Rest dadurch automatisch auch besser und dann macht auch das Spielen mit der Trickkiste automatisch mehr Spaß.

Erkenntnis des Tages: I love basics!

Sonja

Pain

Oktober 29, 2006

Erkenntnis des Tages #1:

Pain is O-Sensei’s way of telling you that you’re doing something wrong.

Bei mir fangen die richtigen Schmerzen erst nach dem Training an. Während mein Körper wieder abkühlt. Nachdem ich wieder Stunden damit verbracht habe, mittels Muskelkraft eine Technik zu erwingen. Ich will mit den Kindern trainieren. Sie wiegen weniger als Sergei. Obwohl es an sich einen Widerspruch zu sein scheint, werde ich aber auch erst nach dem Training auch richtig locker. Lockere Arme, schnelle Beine und ein Feuer im Rücken, das mich zum Nachdenken zwingt.

Erkenntnis des Tages #2:

Einkaufen ist gefährlicher als Aikido.

Wahre Kraft hat mit Muskeln fast nichts zu tun. Wahre Kraft liegt in Bewegung. Ob Sonne oder Menschen. Sie bewegen sich doch. Wie Leoni und Heraklit von Ephesos sagten: Alles fließt. Beim Einkaufen viel mir aber den Widerspruch ein: In der Ruhe liegt die Kraft. Dann fing ich an mit diesen zwei Gedanken zu spielen. Ich finde, dass Ruhe und Bewegung zusammengehören. Wie gewebt spielen sie mit einander:

Ruhiger Geist, ruhiger Körper
Aktiver Geist, ruhiger Körper
Ruhiger Geist, bewegender Körper

Wir können wachsam sein, ohne uns zu bewegen. Wir können uns bewegen, ohne zu denken. Dennoch schließen sie sich nicht gegenseitig aus. Wir können versuchen, gleichzeitig zu denken und uns zu bewegen. Jedoch enden solche Versuche bei den Meisten von uns Sterblichen in einem Haufen zerschmetterter Knochen.

Pain is O-Sensei’s way of telling you that you’re doing something wrong.

Im Gedanken verloren wurde ich beim Überqueren der Straße fast überfahren. Bewegender Geist, bewegender Körper.

QED.

Ben

Fließen und fliegen lassen

Oktober 28, 2006

Was ich gestern begriffen habe: Fluss kann nur entstehen, wenn ich meine Gedanken loslasse und dem eigenen Körper vertraue. Besonders deutlich habe ich das beim Vorwärtsrollen gemerkt. Denken macht ängstlich und verspannt den Körper, dadurch wird alles hart, eckig und möglicherweise schmerzhaft, wodurch mehr Angst aufkommt, alles noch verpannter wird und noch härter und…
Man weiß ja nie warum, also woran es liegt, aber es gibt sie einfach, die guten und die schlechten Aikidotage. Gestern war ein guter, ein sehr guter. Endlich freue ich mich auch darauf, Uke zu sein und rollen zu dürfen, ohne mich jedesmal vor dem Rollen wie ein Springpferd zu fühlen, das vor dem Hindernis verweigert, bis es dann allen Mut zusammennimmt und doch noch springt – natürlich ohne Freude. Gestern hatte ich ein ganz neues Gefühl: Fließend fliegen voller Freude ;-)…
Danke für das schöne Training!!

Leoni

War gestern mit Jules im Esslinger Training und habe quasi für mich selbst da weiter gemacht, wo Jules´ letztes Post aufhörte. Himmel und Erde.

Ich habe auf Aikiweb mal gelesen: „Aikido is the art of hitting people with planets.“ Das hab ich damals überhaupt nicht kapiert. Aber jetzt dämmert es mir so langsam.
Die Kreise die wir machen und die Bewegungen die wir ausführen sind einerseits universal. Überall wo man hinschaut, findet man in der Natur Kreise, Spiralen und runde Formen. Auch und gerade im Weltall.
Andererseits werden die Bewegungen stärker, wenn die Intention nicht klein bleibt und ich nicht nur mich, meine Hände und den Partner sehe. Think big! Wenn ich mir vorstelle, dass meine Bewegung den Uke z.B. nicht nur auf die Matte, sondern in das 8. Untergeschoss befördert, dann kommt das auch an. Genauso sollte ich bei einer Aufwärtsbewegung nicht nur bis zum Ende meines Armes denken, sondern durch das Dach der Halle bis in den Himmel. Quasi Größenwahn für Aikidoka 🙂

Sonja

Dazwischen

Oktober 25, 2006

Heute ist Mittwoch, wir befinden uns also genau zwischen Montag und Freitag… Das heißt also zwei Tage nach und zwei Tage vor dem Training. Und genauso fühle ich mich auch. Ein Teil von mir ist damit beschäftigt, das Montagstraining zu verarbeiten, der andere freut sich schon wieder auf Freitag. Ich würde jetzt gerne über Techniken schreiben, aber Te-Getana, Tenchi nage und Co. bilden derzeit noch einen verwirrenden japanischen Vokabelcocktail in meinem Kopf. Und das sind nur die sprachlichen Schwierigkeiten…Ich meine, über die koordinativen muss ich als Anfänger wohl nicht groß etwas erzählen…Ein faszinierender Sport, der einen so oft frustriert und trotzdem süchtig macht. Und dabei bin ich natürlich weit entfernt von zentriertem Arbeiten, Energiefluss oder Technik-Verbessern. Aber diese kleinen Momente, in denen man auch als Anfänger erahnen kann, wie es funktionieren und wie es sich anfühlen könnte, reichen aus. Abgesehen natürlich von der netten Atmosphäre und den tollen Leuten, die man zweimal die Woche trifft! Montag war einer von den „Ich kann ja gar nichts“-Tagen, aber jetzt freue ich mich einfach auf Freitag und hoffe auf einen „Ich kann schon ein bisschen was und will alles lernen“-Tag 😉 Und natürlich auf das genütliche Beisammensein nach dem Training…

Leoni

Balancing Heaven & Earth

Oktober 24, 2006

It never ceases to amaze me how much I learn from giving an aikido practice. Last night whilst I was watching the group doing Ikkyo from katate tori ai hanmi a few things became clear. One of the things I look foward to taking into practice (when my knee allows me) is that it is so easy to focus on earthing oneself or leading energy up to heaven but to find the balance of heaven and earth is not so simple. When we find the balance between heaven and earth in our movement we can really experience being centered. Tenchi nage of course is a form that helps us practice that but I really started to see it in ikkyo last night. So thanks everyone, I’m looking foward to Friday. 😉

Jules

No woman no cry

Oktober 21, 2006

Erkenntnis des Tages: No woman, no cry.

Erkenntnis des Tages #2: No Te-Gatana, No Technik

Erkenntnis des Tages #3: Je mehr ich lerne, umso mehr mache ich falsch. Als ich mit Aikido anfing, hatte ich nach zwei Wochen Ikkyo richtig drauf. Nach sechs Monaten sah die Technik aber nicht mehr so gut aus. Nach anderthalb Jahren scheint sie ein reines Desaster zu sein…

Erkenntnis des Tages #4: Beim Geschirrspülen traf mich ein Geistesblitz:Im Grunde genommen gibt es keinen Unterschied zwischen den Uke- und Nage-Rollen.

Ben

Freitage sind gute Tage :-)

Oktober 21, 2006

Habe wieder viel gelernt. Wichtig war für mich gestern: Absichtslosigkeit. Nicht etwa im Sinne von Gleichgültigkeit. Trotz Absichtslosigkeit muss Intention da sein. Intention ist unerlässlich. Aber was ist Absichtslosigkeit? Rein technisch: nichts erzwingen, nicht meine Idee/Technik dem Gegener aufzwingen, sonden die Technik geschehen lassen und die Energie des anderen nutzen. Dafür braucht man einen guten Uke – dann wird Aikido, wie Mike sagte, holistisch. Schöner Gedanke, das.

Absichtslosigkeit… Heißt das nicht auch, die Dinge sich so entwicklen lassen, wie sie sich eben entwickeln und dann die entstehende Eigendynamik zu erkennen und zu nutzen? Dann entsteht Harmonie. Das will ich aus dem Training mitnehmen.

Erkenntnis des Tages: Dinge annehmen und geschehen lassen, anstatt dagegen anzukämpfen.

Sonja

Gedächtnisstörungen

Oktober 17, 2006

Konnte mich plötzlich gestern abend weder an „onegai shimas“ erinnern noch daran, was ich eigentlich gerade als nächstes im Training vor hatte. Das war fast so, wie auf der Matte zu stehen, ikkyo zu üben und zu denken: „Habe ich diese Technik schon mal gemacht???“. Und man hat das Gefühl, zum ersten Mal Aikido zu machen. Diese Augenblicke werden seltener, aber manchmal hat man auch als Danträger noch solche Black-outs. Sehr interessant 🙂 Wäre schön, wenn es mir stattdessen gelingen würde, beim Trainieren öfter Mushin – den leeren Geist – zu erreichen. Aber ich habe den Verdacht diese beiden Dinge haben nicht viel gemeinsam…. 😉

Fallschule zu unterrichten und quasi nochmal selbst von Anfang an zu lernen macht irren Spaß! Manche Dinge, die mir dazu selbst anfangs beigebracht wurden, musste ich wieder verlernen, um flexibler, spontaner und flüssiger fallen zu können. So langsam wird alles rund, nur meine langen Beine wollen sich manchmal bei der harten Fallschule nicht einklappen. Tja, die Zentrifugalkraft… Manche Aspekte der Fallschule machen jetzt totalen Sinn und anstatt von vielen verschiedenen Variationen und Arten der Rollen passt jetzt alles in einem System zusammen. Donovan Waite sei´s gedankt. Wäre toll, ihn irgendwann vielleicht mal zu einem Lehrgang einzuladen.

Erkenntnis des Tages: Unsere Gruppe wird in sich stärker.

Sonja

Freitag 13.

Oktober 16, 2006

Danke für die Einladung zum Mitbloggen [ein tolles Wort :)]

Freitag war toll: Zum ersten Mal hat Sumi-Otoshi funktioniert. Ich finde die Technik genial: Für mich spiegelt Sumi-Otoshi viele Grundprinzipien von Aikido: Distanz, Timing, Stand, Mühelosigkeit und natürlich das Zwischenspiel von Tai-Waza und Ukemi. -Ohne Jules als Uke hätte die Technik nie funktioniert und ich hätte nie den Mut gehabt die Technik richtig mit Willen auszuführen.

Am Sonntag habe ich mich mir meinem 10-jährigen Neffen ein Bisschen gerauft.

Er versuchte meine Frau zu verprügeln.

Der kleine Typ ist recht schnell.
Mein Irimi-Nage war schneller… und deutlich Irimi.

Dennoch schaffte ich es, meinen Neffen ohne Schmerzen und Tränen platt zu machen. Darauf bin ich Stolz. Ich glaube mein Aikido macht fortschritte. : )

Den Tekubi danach nahm er mir aber etwas übel. : (

Kann ich nachvollziehen.

Jetzt bemitleidet er meine Frau. Harmonie wiederhergestellt.
Aikido ist toll.

Ben