Es ist was es ist, sagt O-Sensei

März 12, 2007

Am Samstag durfte ich als einer von zwei Uke bei Olli´s Prüfung zum 1. Dan mitmachen. Ich hatte noch Zweifel, ob ich nach gerade überstandener Magen-Darm-Grippe und mit wiedergekehrten Rückenschmerzen mitmachen könnte, aber es hat dann doch geklappt – obwohl ich schon ein bisschen kurzatmig war und sehr froh, dass Olli die Überprüfung zusammen mit Fabi gemacht hat (20 Minuten lang!!!).

Obwohl ich ja nicht selbst geprüft wurde und ich die Situation zudem schon von meiner eigenen und von Jules´ Prüfung kannte, war ich trotzdem ein kleines bißchen aufgeregt – für Olli und für mich selbst auch. Aber um es gleich vorweg zu nehmen: Es lief alles gut und Olli darf am Dienstag zum ersten Mal seinen schwarzen Hakama anziehen 🙂 Herzlichen Glückwunsch, Olli!

Als erstes wartete auch gleich eine Überraschung auf mich: Volker Kenner aus Kirchheim stand gerade auf der Matte und zeigte seine Überprüfung zum 2. Dan als wir ankamen. Es hat mich gefreut, dass ich so ohne es vorher zu wissen bei Volker´s Prüfung dabei war und ihm gleich gratulieren konnte. An dieser Stelle auch nochmal Herzlichen Glückwunsch an dich, Volker!!!

Es ist schön das Lachen (und die Erleichterung) auf den Gesichtern derjenigen zu sehen, die nun diese erste wirklich große Prüfung erfolgreich hinter sich gelassen haben. Zwei der Prüflinge fielen allerdings auch durch und das ist immer traurig. Zum Glück ist mir diese Erfahrung bisher erspart geblieben und ich kann mir nur ausmalen, wie sich diese zwei gefühlt haben müssen. Es hat mich einmal mehr daran erinnert, wie wichtig es ist, für den Spaßfaktor und für den Weg zu trainieren anstatt für die nächste Prüfung. Nur wenn man der Gurtfarbe nicht allzu große Bedeutung zukommen lässt, kann man glaube ich ohne größeren emotionalen Schaden zu erleiden bei solch einer Prüfung durchfallen. Der Gürtel ändert nichts daran, wo wir uns gerade auf unserem ganz persönlichen Weg befinden. Er ist nur eine Art Anhaltspunkt, der noch dazu nicht allgemeingültig ist. Mein Ikkyo ist was er ist – egal ob ich nun einen braunen oder einen schwarzen Gürtel trage, während ich ihn übe. In einem Gedicht von Erich Fried (glaube ich) steht: Es ist was es ist, sagt die Liebe. Ja, so ähnlich ist das bei Aikido glaube ich auch.

Natürlich ist es immer eine Streicheleinheit für das Ego, wenn man von außen Anerkennung bekommt und der eigene Fortschritt auch nach außen durch einen dunkleren Gürtel sichtbar ist. Das wird niemand der auch nur halbwegs ehrlich zu sich selbst ist, leugnen können. Jeder strebt wohl mehr oder weniger auch nach dieser Anerkennung, das ist denke ich nur menschlich. Ich selbst muss mich auch immer wieder mit diesem Thema und meinen damit verbundenen Schwächen auseinandersetzen und habe da noch viel zu üben. Aber auch in dieser Hinsicht befinden wir uns auf einem Weg. Es ist was es ist, sagt O-Sensei.

Sonja

One Response to “Es ist was es ist, sagt O-Sensei”

  1. volkido Says:

    Vielen Dank für deine Glückwünsche an dieser Stelle, Sonja!
    Ich war von deiner Anwesenheit in Nürnberg genauso überrascht, wie du.
    Auch ich ware aufgeregt vor meiner Prüfung. Habe ich mich gut genug vorbereitet? Kann ich es während der Prüfung abrufen? Nicht erst auf der Fahrt zur Prüfung kamen diese Fragen hoch. Am Ende war ich zufrieden mit mir und reichlich stolz. Ohne zu wissen, wie es von außen ausgesehen hat und wie objektive Augen, die Prüfung bewerteten. Das spielte zunächst keine Rolle.
    Schließlich übe ich Aikido für mich und gerne im Kreise netter Leute. Mit ein paar Tagen Abstand wird dieses Bewusstsein wieder stärker und dann ist es auch nicht mehr ganz so wichtig, welchen Gürtelgrad man trägt.
    Eine Prüfung bleibt im Rückspiegel dann hängen, wie ein Sprung über eine Hürde. Erfreut es gemeistert zu haben, ist erst einmal die Freude da. Später bleibt die schöne Erinnerung daran übrig.
    Durchfallen? Das stelle ich mir auch sehr schmerzhaft vor. Über die Hürde stolpern und mit Schmerzen liegen bleiben. Da dauert es schon, bis man wieder aufgestanden ist und die Schmerzen verflogen sind. Ich glaube, es würde mir schwer fallen, das wegzustecken. Aber genau dann kann sich der nötige Abstand zeigen: trainiere für die Prüfung oder weil ich es als Teil meines Weges sehe? Jeder kann immer durch irgendeine Prüfung fallen. Das ist kein Beinbruch. Das schreibt sich schnell und einfach. Das zu Leben zeigt Größe!

    Volker

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