Aiaiai

September 18, 2007

Ai wird meines Erachtens unterschätzt. Wir reden ziemlich oft von Ki. In meinem Fall ohne – wenn ich mal ganz ehrlich bin – genau zu wissen was das eigentlich ist. Mein erster Aikido-Lehrer Christian Wichmann sagte mal: „Ki ist wenn´s im Dunkeln leuchtet.“ und wollte damit andeuten, dass er (damals Nidan) auch nicht wirklich weiß bzw wusste, worum es geht. Neulich hörte ich dann „Ki ist wenn eine Blume durch den Asphalt wächst.“ Das gefällt mir gut, trotzdem erklärt es die Sache auch nicht wirklich erschöpfend. Do wiederum ist ein Konzept das zwar vielschichtig, aber trotzdem etwas leichter zu fassen scheint als Ki. Und Ai?

Was genau ist denn Harmonie? Wie merken wir Ai im Training, oder wie merken wir wenn es fehlt? Wie kann man Ai üben? Wo sieht man Ai im Alltag? Wie kann man in einer Konfliktsituation wirkliche Harmonie erreichen ohne faule Kompromisse beiderseits eingehen zu müssen? Ist Harmonie gleichzeitig auch Stillstand, da entgegengesetzte Pole aufgehoben werden?

Diese Gedanken beschäftigen mich und alles was mir derzeit dazu einfällt ist, dass es in der Natur Gegensätze gibt wohin man nur blickt. Ebbe und Flut, Licht und Dunkelheit, heiß und kalt, und irgendwie passen auch yin und yang gut in diese Reihe. Man ist versucht auch noch Gut und Böse dranzuhängen aber genau das scheint nicht zu gehen. Alle anderen Gegensätz sind wertfrei, Gut und Böse sind dies nicht. Wertfreiheit ist für mich aber ein zentraler Punkt zur Konfliktlösung und auch im Aikido. Es gibt zwar schwarz und weiß als farbliche Gegensätze, aber im Sinne von Handlungen und Menschen gibt es nur Grautöne. Polaritäten bzw Gegensätze muss es geben. Wahrscheinlich sind es sogar genau die Polaritäten, die alles im Gleichgewicht halten, da muss man sich ja nur mal Positron und Elektron (stimmt das jetzt?!) et al ansehen. Also muss es immer wieder ein Hin und Her oder eine Art Gegenspiel geben, um Harmonie zu erzeugen. So wie bei Ebbe und Flut – ein gutes Beispiel, wie ich finde. Uke und Nage sind oft wie Ebbe und Flut, die Energie fließt hin und her und an Wellenbewegungen mangelt es ebenfalls nicht 🙂 Und dann soll man ja auch noch sein wie Wasser. Es geht nicht darum, Gegensätze aufzuheben, sondern sie miteinander in Einklang zu bringen. Das ist jetzt mal mein temporäres Fazit. Auf jeden Fall sagte ich gestern, als ich nach meinem Wunschkennzeichen für mein neues Auto gefragt wurde nicht „BB-KI“ 🙂

Sonja

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