Food for thought

September 26, 2007

Auf Aikidoforum.de hat gerade jemand diesen Spruch gepostet, der mich nicht nur über Harmonie hat weiter nachdenken lassen, sondern auch über die Homöopathie:

„Der Zustand, da Hoffnung und Zorn, Trauer und Freude sich noch nicht regen, heißtdie Mitte. Der Zustand, da sie sich äußern, aber in allem den rechten Rhythmus treffen, heißt Harmonie. Die Mitte ist die große Wurzel aller Wesen auf Erden, dieHarmonie ist der zum Ziel führende Weg auf Erden.
Bewirke Harmonie der Mitte, und Himmel und Erde kommen an ihren rechten Platz,und alle Dinge gedeihen.“
(Li Gi – Dschung Yung)

Rhythmus scheint mir ein wichtiger Bestandteil von Harmonie zu sein. Eben diese Geschichte von Ebbe und Flut u.s.w. In diesem Zusammenhang erscheint mir auch klarer, wie man als Uke anzugreifen hat. Nevelius beschrieb das ja mit „Here is the contact, now it´s the line of action, now it´s the contact again.“ Obwohl sich das richtig anfühlt, konnte ich doch für mich nicht so richtig in Worte fassen und umformulieren, was das bedeutet. Ich glaube das ganze hat ebenfalls mit Rhythmus zu tun und natürlich mal wieder mit Kontakt. Bin ich mit meinem Kontakt immer und unaufhörlich bei Nage, so kann kein Rhythmus entstehen, es kommt zu einer Art Pattsituation oder eben zu einer Art von Stillstand. Man muss den Rhythmus zwischen Kontakt und Bewegung finden, sich immer wieder vom Kontakt lösen, nur um ihn dann wieder neu zu finden/aufzubauen. Obwohl – eigentlich fühlt es sich nicht an, als ob der Kontakt dabei verloren geht, er hat nur irgendwie während der Bewegung die zweite Priorität, wohingegen die Bewegung, sobald es um den Kontakt geht, eher zweitrangig ist. Keine Ahnung ob das alles so richtig ist und ich es in die richtigen Worte fasse, aber um es mit Nevelius´ Worten zu sagen: „Sometimes it works, sometimes it doesn´t…“ (*mitdenschulternzuck*)

Zu Kontakt hatte ich in dem Interview mit Jan Nevelius, Jorma Lyly und Frank Ostoff im Aikidojournal noch gefunden, dass man Kontrolle eigentlich nur dann braucht, wenn man den Kontakt verloren hat. Bei Aikido aber natürlich im Leben auch. So lange man mit etwas/jemand in Kontakt ist, kann man genau spüren, was vor sich geht und kann darauf reagieren. Man muss nicht kontrollieren. Für mich hat Kontrolle mit Zwang zu tun. Nun ja, wenn ich so zurückdenke, dann ging in meinem Leben meist genau dann eine Menge schief, wenn ich versuchen wollte, die Dinge zu kontrollieren oder etwas zu erzwingen, anstatt zu spüren was passiert und darauf adequat zu reagieren. Verliert man den Kontakt, kann man entweder kontrollieren oder (wie Zoran gestern Abend Saotome zitierte:) „If you loose relation, make a new one.“

Rein technisch passt das natürlich auch gut zu dem was Martin immer sagt: nahe am Partner dran bleiben, dann weiß man auch, was er vor hat.

Sonja

PS: Anderes Thema, aber zu Ki gibt es bei Aikiweb gerade einen interessanten thread.

Aiaiai

September 18, 2007

Ai wird meines Erachtens unterschätzt. Wir reden ziemlich oft von Ki. In meinem Fall ohne – wenn ich mal ganz ehrlich bin – genau zu wissen was das eigentlich ist. Mein erster Aikido-Lehrer Christian Wichmann sagte mal: „Ki ist wenn´s im Dunkeln leuchtet.“ und wollte damit andeuten, dass er (damals Nidan) auch nicht wirklich weiß bzw wusste, worum es geht. Neulich hörte ich dann „Ki ist wenn eine Blume durch den Asphalt wächst.“ Das gefällt mir gut, trotzdem erklärt es die Sache auch nicht wirklich erschöpfend. Do wiederum ist ein Konzept das zwar vielschichtig, aber trotzdem etwas leichter zu fassen scheint als Ki. Und Ai?

Was genau ist denn Harmonie? Wie merken wir Ai im Training, oder wie merken wir wenn es fehlt? Wie kann man Ai üben? Wo sieht man Ai im Alltag? Wie kann man in einer Konfliktsituation wirkliche Harmonie erreichen ohne faule Kompromisse beiderseits eingehen zu müssen? Ist Harmonie gleichzeitig auch Stillstand, da entgegengesetzte Pole aufgehoben werden?

Diese Gedanken beschäftigen mich und alles was mir derzeit dazu einfällt ist, dass es in der Natur Gegensätze gibt wohin man nur blickt. Ebbe und Flut, Licht und Dunkelheit, heiß und kalt, und irgendwie passen auch yin und yang gut in diese Reihe. Man ist versucht auch noch Gut und Böse dranzuhängen aber genau das scheint nicht zu gehen. Alle anderen Gegensätz sind wertfrei, Gut und Böse sind dies nicht. Wertfreiheit ist für mich aber ein zentraler Punkt zur Konfliktlösung und auch im Aikido. Es gibt zwar schwarz und weiß als farbliche Gegensätze, aber im Sinne von Handlungen und Menschen gibt es nur Grautöne. Polaritäten bzw Gegensätze muss es geben. Wahrscheinlich sind es sogar genau die Polaritäten, die alles im Gleichgewicht halten, da muss man sich ja nur mal Positron und Elektron (stimmt das jetzt?!) et al ansehen. Also muss es immer wieder ein Hin und Her oder eine Art Gegenspiel geben, um Harmonie zu erzeugen. So wie bei Ebbe und Flut – ein gutes Beispiel, wie ich finde. Uke und Nage sind oft wie Ebbe und Flut, die Energie fließt hin und her und an Wellenbewegungen mangelt es ebenfalls nicht 🙂 Und dann soll man ja auch noch sein wie Wasser. Es geht nicht darum, Gegensätze aufzuheben, sondern sie miteinander in Einklang zu bringen. Das ist jetzt mal mein temporäres Fazit. Auf jeden Fall sagte ich gestern, als ich nach meinem Wunschkennzeichen für mein neues Auto gefragt wurde nicht „BB-KI“ 🙂

Sonja